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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 42

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 42 (sequence 45)
Language
German
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42 Jebuda Hallewi und Gazali Der Weg zu Gott führt nach Jebuda Hallewi, ftatt durch ffskefe und Erkenntnisftreben, über das fromme Tun. Damit ift nicht das allgemeine fittliehe Verhalten gemeint. Weil das Sitteng efet> in unferer Vernunft begründet ift, kann es noch nicht Religion im fpezififeben Sinne fein, wenn unter Religion der Weg zu Gott verftanden wird. Die Vernunft ift das fpezififdb Menfcblicbe, das, was den Menfchen über die niederen Lebewefen erhebt; £ie kann wohl auf die höchften Stufen des Menfchentums führen, aber nicht darüber hinaus. Die Religion aber will den Menfchen über das Menfcbentum erheben, ihn zu einem höheren Sein als dem menfehlichen fteigern, in die Sphäre des Göttlichen eingehen laffen. Den Weg zu diefem Übergang in eine höhere Wefensform kann der Menfch, der nicht einmal die niederen Naturprozeffe zu durchfchauen vermag, aus eigner Kraft nie und nimmer finden. Nur Gott felbft kann ihn weifen; und er hat ihn Israel durch die Offenbarung gewiefen: es find die durch die Thora gebotenen Kulthandlungen. Das ungefähr ift der Gedankengang, der Jehuda Hallewis Partikularismus zugrunde liegt. Er fteht in der Mitte zwifeben dem univerfaliftifchen Rationalismus der „Pbilofopben" einerfeits und der paulinifcbschriftlichen Gnadenlehre andererfeits: dort wird der religiöfe Hufftieg ganz auf das Wefen des Menfchen als foleben und im befondern auf fein Erkenntnisvermögen begründet, hier ausfchließlich auf die nach Willkür waltende Gnade Gottes; nach Hallewi muß nur das Wiffen um den Weg von Gott ftammen, die Erreichung des religiöfen Ziels gefebiebt durch das eigne Handeln des durch eine befondere Hnlage dazu befähigten Menfchen. Gazali verbindet in eigentümlicher Weife alle drei Motive: den religiöfen Trieb und die Fähigkeit zum Hufftieg verankert er wie die Pbilofopben im fpezififch Menfehlichen; die Beobachtung des offenbarten Religionsgefefjes betrachtet er als unentbehrliche Hilfe; das Handeln des Menfchen aber ebenfo wie die religiöfe Stufe, die er erreicht, find von Gott vorherbeftimmt, freilich nicht durch Gnadenwillkür, fondern durch das Gefe§ der Emanation des böcbftmöglicben Guten. Wenn Jebuda Hallewi die Ethik vom Religiöfen im engeren Sinne febeidet, fo löft er doch nicht etwa den Zufammenhang beider. Erfte Pflicht ift die Er* füllung des Sittengefetjes, in der die Vollkommenheit des Menfchen als folchen erreicht wird. Ohne fie bleibt die Ausübung des Religionsgefe^es, welche die Verbindung mit dem Göttlidben bewirken foll, wertlos. In diefem Sinne ift das Sittengefe^ Vorftufe des Religionsgefe^es. Bei Gazali war gerade um« gekehrt das Kultifd^e Vorftufe und Hilfsmittel der Ethik, es diente der „Läuterung des Herzens". Das von der Vernunft gebotene Tun fteht ihm über dem von der Offenbarung allein gebeifebten. Bei Jebuda Hallewi dagegen dringt überall der Gedanke durch, daß die von der unendlich erhabenen Gottheit felbft auf übernatürlichem Wege mitgeteilte Lehre ein Höheres enthalten müffe als das, was menfcblicbe Vernunft erreichen kann. Jebuda Hallewis Hnfcbauung, wonach durch genau beftimmte Handlungen zu beftimmter Zeit und an beftimmtem Ort der Zufammenhang mit dem Gött«

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