Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 43)
- Language
- German
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40 Jebuda Hattcwi und Gazali eine ift der Weg des wiffenfcbaftticben Studiums, des diskurfiven Denkens. Nur wenige können und Collen ihn befeftreiten, Menfcben, die mit großen Geiftesgaben ausgeftattet find und in früher Jugend unter Anleitung eines Lehrers von felbftändigem Geifte ihr Studium beginnen. Der andere Weg ift der Pfad der Askefe und der geiftigen Schau. Wer durch hartnäckige Selbft» zucht, durch Ausrottung der weltlichen Begierden den Spiegel feines Herzens vom Rofte geläutert bat, der wird in ihm die ewigen Wahrheiten ungetrübt erblicken, den Widerfdbein der „aufbewahrten Tafel", d. h. des ewigen gött« liehen Weltplanes, aus dem die finnlicbe Wirklichkeit erft abgeleitet ift. Diefer Weg ift es, dem Gazalis Predigt gilt, auf den er in feinen großen religiöfen Werken wie in vielen kleineren Schriften immer von neuem die Gläubigen ruft. Die Erkenntnis felbft aber, die auf beiden Wegen erlangt wird, ift, wie er in grundfätjlicbem Zufammenhange hervorhebt, weder ihrem Wefen noch ihrem Subftrat (dem Erkenntnisorgan) nach verfebieden. Damit foll aber gewiß nicht ausgefchloffen werden, daß auf dem einen Wege manche Wahrheiten erfaßt werden können, zu welchen der andere keinen Zugang eröffnet. Wieder* holt fpricht Gazali von einem nur Propheten und Gottbegnadeten verliehenen Erkenntnisvermögen, das über den Verftand erhaben fei wie der Verftand über die Sinne und dem Dinge offenbar würden, die dem Verftande un« erreichbar find. Ohne Zweifel handelt es fieb hier um nichts anderes als um jenes intuitive Innewerden der geläuterten Seele. Und wenn angedeutet wird, daß in diefer erhabenen Schau die Enge der Kategorien des Sinnlichen, Subftanz und Akzidens, überwunden werde, fo darf man auch hier an die Schau der reinen Ideen denken, die nach Plotin unter anderen Kategorien ftehen als die Sinnendinge. Welche Stelle nimmt nun in diefer Lehre die koranifdbe Offenbarung, alfo die pofitive Religion ein? Eine Bedeutung für die Erkenntnis wird ihr nur zuweilen zugefproeben. Für Gazali fteht es feft, daß alle tieferen Wahr* heiten im Koran enthalten find, und er felbft hat, um das zu zeigen, in einer befonderen Schrift die „Perlen des Korans" in fyftematifcber Ordnung auf« gereiht. Aber er ift fieb bewußt, daß hier das Entfcheidende die Auslegung ift, da diefe Wahrheiten zum größten Teil nicht offen daliegen, fondern nur durch tief fchürfende Deutung herauszugewinnen find. Man findet wohl auch die Anfcbauung, die menfcblicbe Vernunft müffe, um nicht im Dunkeln zu tappen, fieb vom Gottesworte erleuchten laffen. Der eigentliche Sinn der prophetifchen Sendung aber febeint für Gazali nicht in der Mitteilung von Wahrheiten zu beftehen. Ihr Wefen Geht er vielmehr in der praktifchen Lehre. „Die Propheten find die Arzte der Seelen" — diefes alte Wort bildet die Grundlage feiner Auffaffung der pofitiven Religion. Den Propheten werden durch Offenbarung die dem Verftande unzugänglichen Mittel kund, die zur Läuterung der Herzen führen. Wie die Medizin Arzneien anwendet, die in ganz beftimmter Zufammenfetjung beilfam wirken, ohne daß unfer Verftand die Gründe zu er«