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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 39

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 39 (sequence 42)
Language
German
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Jebuda Hallewi und Gazali 39 Von diefen Hnfcbauungen aus wird Gazalis fiuffaffung der Religion in doppelter Weife beftimmt. Die Seele foil fich aus ihrer Verftrickung ins Irdifcbe befreien, in ihre Urheimat zurückkehren: wir haben esalfo mit einer Er* löfungslehre zu tun. Der Seele Heimat ift das Reich der Ideen, und durch diefe wird fie Gott nahe: damit wird ein Grundelement des Religiöfen die Erkenntnis. Beide Momente werden durch urfprünglich verfcbiedene Motive teils ergänzt, teils modifiziert. Das Erlölungsmotiv in der angegebenen Form, das an und für fich keine engere Beziehung zum religiöfen Gedanken wenigftens des Monotheismus enthält, tritt praktifch faft ganz zurück hinter der Forderung unmittelbarer Hingabe des Ich an die Gottheit durch Verzicht auf alles irdifche Sinnen und Trachten. Gazali begründet diefe Forderung durch einen tieffinnigen Gedankengang. In jedes Menfchen Herz lebt verborgen der Wunfeh, felbft ein Herrgott zu fein, allmächtig die ganze Welt zu befitjen und zu be* berrfeben, felbft aber ganz und gar unabhängig und frei zu fein. Diefe Sehn» fucht des Menfeben ift unerfüllbar, wie fehr er fich auch mühen mag, irdifchen Befitj zu häufen oder durch Gewinnung von finfehn und Ruhm Herrfcbaft über die Gemüter zu erlangen; es find immer nur befchränkte und vergängliche Güter, Scheingüter, die ihn nicht befriedigen können. Nur in der vollen Hin» gäbe an Gott vermag fein Drang zur Ruhe zu kommen: in der Loslöfung von aller irdifchen Bindung findet er die erfehnte Freiheit, in der allumfäffenden Gotteserkenntnis das unbegrenzte und unvergängliche Gut. Die Konfequenz des Gedankens führt eigentlich in die Richtung der pantheiftifchen Myftik: des Menfchen Streben nach den Attributen der Gottheit wird in Wahrheit erft erfüllt, wenn er mit der Rllgottbeit felbft völlig eins wird, über diefe Konfequenz hat Gazali nicht gezogen; fein trot* aller Hinneigung zur Myftik nüchterner Verftand hat den Pantheismus und die Idee der Einswerdung entfebieden abgelehnt. Den ffufifeben fana', das Aufgeben des Ich in der Hilgottheit, deutet er pfycbologifcb als ein Sichfelbftvergeffen der ganz von Gott erfüllten Seele. Die Erkenntnis als religiöfer Inhalt und Wert fteht im Mittelpunkt einer anderen Gedankenreihe, deren Urfprung im Hriftotelismus zu hieben ift. Das von Gott in ein jedes Wefen gelegte Ziel, feine Beftimmung, beruht in feiner Wefenseigentümlicbkeit, in feinem artunterfebeidenden Merkmal. Was den Menfchen vor den niederen Lebewefen auszeichnet, ift fein „Herz", der Sitz der Erkenntnis und des vernünftigen Wollens. fluf die Erkenntnis legt Gazali den entfebeidenden Nachdruck. Das Handeln, auf das der Wille zielt, fteht ihm erft in zweiter Reihe; es ift nur um der Erkenntnis willen da. Die wahre Vollkommenheit des Menfchen befteht in feinem Wiffen, und die Grade der Seligkeit hängen von dem Grade der erworbenen Erkenntnis ab. Die er* ftrebenswerten Erkenntniffe find nur die allgemeinen, ewig gültigen, über das Sinnliche hinausgehenden. Sie haben ihre Einheit in der Gotteserkenntnis; denn im Wiffen von Gott, feinen Attributen und feinen Werken ift das Wiffen um alles, was da ift, einbegriffen, und nur in diefer Bezogenheit auf die Gottheit hat alles Wiffen Wert. Zwei Wege führen zu diefem Wiffen hin. Der

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