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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 37

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 37 (sequence 40)
Language
German
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Jebuda Hallewi und Gazali 37 natürlichen Vorgänge, ohne ihre Befonderbeit abzufcbwäcben, dennoch nach Analogie der natürlichen zu verftehen und fo die Einheitlichkeit des Weltbildes nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten. Das Wirken der göttlichen Kraft ift ebenfo wie nach ariftotelifcber Hnfcbauung das aller Naturkräfte an eine beftimmte Dispofition der Materie, alfo an eine Hnlage, gebunden. Wie der Keim eines jeden Naturwefens von einem gleichartigen Wefen ftammt, fo muß auch diefe böcbfte Hnlage von einem mit ihr Begabten vererbt werden. Der erfte Menfch befaß fie, und fie lebte in den folgenden Generationen in einzelnen Menfchen fort, bis fie von Israel auf alle feine Söhne überging und dann auf das ganze Volk, das von ihnen ftammte. Hber der Keim allein genügt nicht; er kann nur im rechten Boden und in der rechten Pflege gedeihen: fo konnten die übernatürlichen Kräfte in Israel nur im Heiligen Lande und nur bei Beobachtung der göttlichen Gebote wirkfam werden. Das Übernatürliche erfcheint hier alfo faft nur als eine höhere Gattung des Natürlichen; es unterfcheidet fich von ihm nicht binficbtlich feiner Bedingtheit, aber es fteht über dem Natur« gefet> und vermag es aufzuheben. Mit dem Unterfchiede in der fluffaffung des göttlichen Wirkens ift fchon der am meiften hervortretende äußere Gegenfatj zwifchen Jehuda Hallewis und Gazalis Lehren von der Religion gegeben. Denn die übernatürlichen Erfcheinungen find bei Jehuda Hallewi das Korrelat des wahren religiöfen Lebens, und jene Anlage, die auf einen Teil der Menfchheit, auf Israel, be« fcbränkt ift, bedeutet nichts anderes als eben die Fähigkeit zum echten religiöfen Leben. Mit den üblichen Schlagwörtern kann man alfo die Lehre Jebuda Hallewis als fupranaturaliftifch und partikulariftifch - und zwar beides in enger Verbindung — bezeichnen, während bei Gazali feiner abweichenden fluffaffung der Kaufalität eine Tendenz zum religiöfen Univerfalismus parallel geht. Natürlich ift auch ihm der Islam die wahre Religion, ftü^t auch er fich auf die koranifcbe Offenbarung, foviel er nur kann. Hber feine religiöfen Theorien find nicht wie die Jebuda Hallewis durch ihr Wefen unauflöslich mit der eigenen Religion verknüpft. Für die Rolle, die darin der Offenbarung zukommt, ift es gleichgültig, ob es fich um die an Mohammed ergangene Offenbarung oder irgend eine andere handelt; ja man kann fich fogar die Prophetie aus Gazalis Lehre ganz fortdenken, ohne daß ihr Kern dadurch fehr wefentlicb verändert würde. Was er predigt, was er zu begründen fucht, ift im Innerften Religion überhaupt, faft im modernen Sinne, ohne innere Beziehung zu den Glaubenstatfacben des Islam. Diefe univerfaliftifche Grund« einftellung ift keine Eigentümlichkeit Gazalis. Sie ift ihm mit den Haupt« ftrömungen der mohammedanifchen Myftik wie auch der arabifchen Pbilofophie gemein; und fie konnte fich gerade im Islam am leichteften entwickeln, weil unter den monotbeiftifcben Religionen keine weniger mit einzelnen gefcbicbt« liehen Tatfachen verknüpft ift. Denn Mohammed ift für feine Gläubigen nur der letzte in einer langen Reihe von Propheten, die unter verfchiedenen Völkern auftraten und alle den wahren Glauben verkündeten; feine Sendung begründet

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