Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
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34 Jebuda Hallewi und Gazali Verfcbiedenbeit nur von der Materie herrührt. Gott ift — diefe Hnfcbauung liegt zugrunde - die Weltvernunft, die die Gefamtheit der Formen oder Wefen« heiten als einheitliche Ordnung in ficb trägt; erft durch die verfcbiedene Emp» fänglichkeit der Materie treten die Formen real auseinander. Mit einer fo abftrakten Gottesvorftellung kann fich aber Jehnda. Hallewis religiöfes Gemüt nicht zufrieden geben. Schon jene Lehre von Gott als formen« fpendender Weltvernunft war ein Proteft gegen die Theorie der „Pbilofopben", welche Gott alles unmittelbare Wirken abfpracb. Hber auch ein mecbanifcbes, völlig durch die BefcbafFenbeit der Materie bedingtes Wirken der Gottheit kann den Forderungen des religiöfen Bewußtfeins nicht entfprechen, und auch nicht ein Wirken, das ficb auf die einmalige Verleihung der Wefensform befcbränkt. Gott ift darum für Jebuda Hallewi nicht nur Weltvernunft, fondern auch Welt» feele, Weltgeift und Weltleben, nicht nur Formgeber, fondern auch Erhalter, Führer und Fürforger aller Wefen. Und neben die Idee der ftreng gefe§« mäßig wirkenden göttlichen Weisheit tritt der Gedanke des freien Schöpfer« willens, der da fcbafft, „was er will, wie er will und wann er will", der den Naturlauf durchbrechen kann, wenn es ihm beliebt. Beide Huffaffungen finden zwar gelegentlich ihre Verföhnung in dem Gedanken des mit der göttlichen Weisheit identifcben ewigen Willens, der auch die übernatürlichen Wundererfcheinungen bereits in der Urfchöpfung angelegt; aber fie flehen doch im ganzen unvereinigt nebeneinander als Momente zweier Grundrichtungen in Jebuda Hallewis Denken, der religiöfen und der wiffenfcbaffliehen, von denen bald die eine bald die andere ftärker zur Geltung kommt, ohne daß ein eigent« lieber Kampf ftattfände. Gerade an diefem Punkte zeigt fich, wie fehr verfchieden Gazalis Eigen« art ift. Er ftellt das Problem der Freiheit oder Notwendigkeit des göttlichen Wirkens auf des Meffers Schneide und unternimmt den Nachweis der Un« möglichkeit, das Sofein der Welt aus bloßer Vernunftnotwendigkeit zu erklären. Darauf geftü^t, fordert er einen freien göttlichen Willen, der das So der Dinge leiblich determiniert; denn das Wefen des Willens befteht nach ihm eben darin, zwifeben an fich gleichen Dingen Unterfcbiede zu fetjen. Von diefem Stand« punkt aus kann er die Argumente der Pbilofopben gegen eine zeitliche Welt« fchöpfung weit beftimmter zurückweifen, als es Jebuda Hallewi tut, und ver« mag auch für die Erklärung der Veränderungen und Entwicklungen der Dinge auf den Dualismus von Stoff und Form im Prinzip zu verzichten (in Wirk« liebkeit fließen auch bei ihm diefe Begriffe, zum Teil unter anderer Benennung, nicht feiten wieder ein). Hber nur äußerlich hat es den Hnfchein, als ob Gazali das Dogma der mobammedanifeben Orthodoxie von der fcbrankenlofen Willkür des göttlichen Handelns verteidigte. Mit Unrecht hat man im Willensgedanken das beftimmende Moment feiner Gottesvorftellung gefeben. Nur im Zufammenhange der Dogmatik, in der ftreng wiffenfcbaffliehen Beweisführung geht er darüber nicht hinaus. Wo er feine tieferen Überzeugungen ausfpriebt, da erkennt er Schranken der göttlichen Willkür an, und zwar zweierlei: ein«