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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 33

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 33 (sequence 36)
Language
German
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Jebuda Haltewi und Gazali 33 den Kraft beberrfcbt wird, und erweckt zugleich den Glauben, daß durch eben diefe Kraft die Welt gefcbaffen ift. Eine gewiffe Unklarheit fällt in Jebuda Hallewis Verhältnis zur religiöfen Dogmatik dadurch, daß er feinem Werk einen kurzen Huszug aus einer dog* matifcben Schrift Gazalis einfcbließlicb der Beweife für Gottes Dafein und Attribute fowie für die Erschaffenbeif der Welt einverleibt bat, ohne ein Wort inhaltlicher Kritik daran zu knüpfen. Freilich deutet er auch unmißverftändlich an, daß er diefe Lehren und Beweisführungen, die nicht fein geiftiges Eigen» tum find und von ihm nicht als folcbes in finfprucb genommen werden, auch nicht fchlechthin zu vertreten bereit ift. Es fcbeint, daß er, wie Gazali felbft, diefen Auseinander fetjungen nicht den Wert fieberer Erkenntnis beilegt, fondern nur praktifchen Wert für die Befeftigung des Glaubens im Herzen derer, denen der reine Glaube der Einfalt bereits verloren ift. Ift fo der grundfalsche Standpunkt beider Denker zur Metaphyfik nicht wefentlich verfchieden, fo zeigt fich ein erheblicherer Gegenfat? in ihrem tatfachlichen Verhalten. Gazalis Religionslehre hat zwar gewiffe metaphyfifche Rnfcbauungen zum Hintergrund; aber fie fpielen keine ausfcblaggebende Rolle und treten auch nicht im Gewände der exakten Wiffenfchaft, fondern unter dem Schleier der Myftik auf. Im Kufari dagegen werden gewiffe metaphyfifche Begriffe und Grundanfchauungen des Hriftotelismus in ausgiebigem Maße und im Sinne einer pbilofophifchen Grundlegung verwandt. Das hängt zum Teil mit der verfchiedenen Tendenz der Werke zufammen. Während Gazaiis meifte Schriften nur den religiöfen Trieb erwecken und auf den rechten Weg leiten wollen, alfo der praktifchen Theologie dienen, ift es Jehuda Hallewi auch um ein Erkenntnisziel zu tun: er will die Wahrheit des Judentums begründen, befonders auch den Erwählungsgedanken der wiffenfchaftlichen Weltauffaffung der Zeit eingliedern. In diefer Weltauffaffung ift er, der als Mediziner früh mit der griechifchen Wiffenfchaft vertraut geworden fein muß und in deffen Kreifen die Lehre der „Philofopben" als die wiffenfcbaftliche Weiterkenntnis überhaupt galt, ftärker befangen als Gazali, der in ganz anderen Hnfchauungen aufgewachten war und der pbilofophifchen Lehre von vorn herein mit Mißtrauen gegenübertrat. So kommt es, daß Jehnda. Hallewi gleich den von ihm bekämpften Hnbängern der griechifchen Pbilofopbie alle Entwicklung in der Welt mit Hilfe der ariftoteiifeben Kategorien Materie und Form zu begreifen fucht und an der finfebauung feftbält, daß die Formen und damit die Wefenbeiten der Dinge von der Dispofition der zugrunde liegenden Materie abhängig feien, daß je einer vollkommeneren Mifchung der StofFteilcben ftets eine höhere Form entfpreeben müffe. So fällt der Materie als Grund der Verfcbiedenbeit der Dinge feibftändige Bedeutung zu. Von hier aus erhält auch die Gottesidee im Kufari eine Färbung, die der Hutor wohl nicht in voller Schärfe beabfichtigt bat. Der Gedanke der Einheit Gottes wird bis zu der Tbefe weiter verfolgt, daß von feiten der Gottheit alle Dinge den Stempel der Einheitlichkeit tragen und ihre 3

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