Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 34)
- Language
- German
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Jebuda Hallewi und öazali 31 Weit bedeutfamec und originaler ift Jebuda Hallewis Polemik da, wo fie ficb nicht an den Verftand, fondern unmittelbar an das religiöfe Gemüt wendet und es auffordert, über Gottesvorftellung und Lebensziele der Pbilofopben das Urteil zu fprecben. Mit äußerfter Scbärfe ziebt er den Trennungsftricb zwifcben rationaliftifcber und tbeiftifcber Gottesauf faffung. Für den Pbilofopben, deffen einziges Ziel das fpekulative Wiffen vom Wefen aller Dinge ift, bedeutet Gott nur ein Erkenntnisobjekt unter vielen andern; das mangelnde Wiffen von Gott ift nur in gleicher Weife fcbädlicb wie etwa ein Irrtum über Lage und Geftalt der Erde. Sie fucben Gott mit dem Verftande, durch das Mittel der Logik. So ift der „ariftotelifcbe Gott" ein anderer als „der Gott Abrahams", den der Gläubige aus tieffter Sebnfucbt heraus erfühlt und erfchaut, dem Heb nahe zu wiffen böcbfte Luft, dem entfremdet zu fein größte Pein ift. Einem folchen Gott kann man ficb mit ganzer Seele hingeben, um ihn mag man freudig den Tod erleiden — der Philofoph hat keinen Anlaß, um feinen Gott, der nicht ein« mal von feinem Dafein weiß, auch nur eine Unannehmlichkeit zu ertragen, fluch der Ethik der Pbilofopben fehlt der fefte Boden, weil fie nicht an eine ausgleichende göttliche Gerechtigkeit glauben; fie fordern ein üttliches Verhalten, weil es ficb am beften mit einem der Erkenntnis geweihten Leben vereinigen laffe, aber ihre Forderungen find nicht unbedingt wie die der Religion. Gazali bat die Gegenfä^e zwifcben Pbilofopben und Gläubigen niemals mit folcher Klarheit und Scbärfe herausgehoben. Seine eigene Denkweife fteht dem philofophifchen Intellektualismus viel zu nahe, als daß er diefe Gegenfä^e fo deut* lieb hätte empfinden können. Die prinzipielle Bedeutung der Kritik Gazalis an den Pbilofopben ift überfd)ä^t worden. Er ift bemüht, die metaphyfifchen Syfteme der Arifto» teliker und Platoniker als unwiffenfehaftlicb zu erweifen; er erkennt mit voller Klarheit ihren hypothetifchen Charakter im Unterfchiede von der Exaktheit der ebenfalls von den Griechen entwickelten logifchen und matbematifchen Wiffen* febaften; er beftreitet aber nicht allgemein die Möglichkeit einer wiffenfebaftlichen Metaphyük überhaupt. Allerdings fchränkt er in feiner polemifchen Schrift den Kreis der auf rationalem Wege erreichbaren Erkenntniffe ftark ein. So widerlegt er zum Beifpiel die Beweife der Pbilofopben für die Stofflofigkeit und die Unfterblicbkeit der Menfcbenfeele fowie für die Befeeltheit der Himmel, obgleich ihm diefe Lehren felbft offenüchtlich als wahr gelten, in der ausge« fproebenen Rbücbt, diefe Fragen dem Bereiche der bloßen Vernunfterkenntnis zu entziehen und ihre Beantwortung einer anderen Wabrbeitsquelle, der Offenbarung, zuzuweifen; ferner bezeichnet er die Spekulation über das Wie des göttlichen Schaffens allgemein als abwegig. Aber hier handelt es ficb nur um einzelne Fragen, nicht aber um eine grundfalsche Scheidung zweier Wahr* beitsgebiete. Wenn felbft die Beweife der arabifeben Peripatetiker für Gottes Dafein, Einheit, Unköperlicbkeit ufw. widerlegt werden, fo gefchieht das keines« wegs in der gleichen flbücht, fondern wabrfcbeinlicb um die Niederlage der Gegner möglichft vollftändig zu geftalten, teilweife wohl auch, um zu zeigen,