Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 33)
- Language
- German
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30 Jebuda Hattewi und Gazati Punkte des pbilofophifcben Syftems, die auch Gazati angegriffen hatte, und wie die Grundtendenz, fo find auch die allgemeinften Geficbtspunkte gemeinfam. Vergleicht man aber die Beweisführung beider Denker im einzelnen, fo ergibt fich überrafcbenderweife, daß Jebuda Haltewi faft durchweg von feinem Vorgänger in der Polemik unabhängig ift; man möchte faft glauben, daß er gefliffentlich vermied, deffen Hrgumente zu wiederholen. Hus manchen Hb« weichungen in der Huffaffung der Streitpunkte felbft wird man aber eher fcbließen dürfen, daß er bei der Hbfaffung feines Werkes Gazalis Schrift nur noch in allgemeinen Umriffen im Gedächtnis, nicht mehr unmittelbar vor Hugen hatte. Einer der im Kufari am ausführlicheren dargelegten Einwände fehlt bei Gazali ganz. Es handelt fich um die Lehre von den vier Elementen, die Hallewi mit treffender Beweisführung als in der Erfahrung durch nichts begründet zurückweift. Nur vier Grundquatitäten (Wärme, Kälte, Feuchtigkeit, Trockenheit) erkennt er, dem Hippokrates folgend, an; das find aber nur letjte Einfache, in die unfer Denken die Körper auflöft, ohne daß fie fich real jemals unvermifcht fänden. Man kann hier den Fortfehritt gegenüber dem älteften uns näher bekannten jüdifcb*arabifcben Pbilofophen, Ifaak Israeli, beobachten, der in feiner Schrift über die Elemente beftrebt ift, mit Galen die bippokratifebe Lehre von den Grundqualitäten im Sinne der ariftotelifeben Theorie von den Elementen auszulegen und diefe mit fcbolaftifcben Hrgumenten zu ftüfeen. Faft mehr zur Zietfcheibe des Wittes als der Kritik macht Jebuda Haltewi jene Verbindung der neuplatonifcben Emanationslehre mit der ariftotelifeben Sphärentheorie, die bei den arabifeben Peripatetikern beimifcb geworden war, in der Tat eine Konftruktion von erftaunlicher Willkürlichkeit. Der aus dem Ureinen hervorgebende Geift (der Nus) foltte, fofern fich fein Denken auf das Ureine riebtet, einen zweiten reinen Geift emanieren, fofern er aber fich felbft denkt, eine Sphäre; und diefer Prozeß foltte fich bei dem zweiten Geift und fo fort wiederholen, bis aus der zehnten diefer Intelligenzen die Welt des Ver« gänglichen hervorgeht. Diefe Theorie, faft eine Traveftie des tiefen neuplatonifeben Gedankens zu nennen, war leicht abzutun, und in ihr bot fich ein befonders geeignetes Beifpiel, um den Ruf exakter Begründung, der den Lehrfätjen der Pbilofophen voranging, zu febwäcben. Hnfcheinend von Gazali angeregt ift die humoriftifche Bemerkung, folgeriebtigerweife müßte man auch von Hriftoteles (der zu Unrecht als Urheber diefer Behauptungen galt) erwarten, daß er bald einen Intellekt, bald eine Sphäre emaniere, je nachdem er das Urwefen oder fich felbft zu erkennen vermeine; daneben tut Jebuda Hallewi aber auch mit felbftändigen Hrgumenten den Mangel an Konfequenz dar, der diefer Konftruktion, abgefehen von ihrer Wittkür, anhaftet. Hier ift nicht der Ort, weiter auf die tbeoretifeben Hrgumente gegen die Pbilofophen im Kufari einzugehen. Neben einzelnem Unberechtigten enthalten fie manchen gefunden Gedanken; immerhin können und wollen fie fich nicht mit Gazalis Kritik in feiner Streitfcbrift an Gründlichkeit und Tiefe meffen.