Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
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jehuda Hallewi und Gazali 29 fpalt feines Wefens und durch die Verfcbiedenartigkeit der Gedankenkreife, die auf ihn wirkten, Wider fprücbe in fein Werk getragen worden find; denn felbft in einem und demfetben Buche finden ücb nicht feiten fluffaffungen, die fich fchwer miteinander vereinigen laffen. Das gilt übrigens auch von Jehuda Hallewi. Bei Gazali kommt aber hinzu, daß er eine verfchiedene Sprache fpricht, je nachdem er fich an weitere Kreife wendet, ängftlich alles vermeidend, was den naiven Glauben gefährden könnte, oder den tiefer Eindringenden etwas von feinen innerften Gedanken andeutet. Hbficht diefer Studie ift es hauptfächlich, die Geiftesrichtungen beider Männer zu vergleichen, nicht das Problem der literarifeben Beziehungen zu erörtern. Daher follen im folgenden vorzugsweife folebe Stellen berücküchtigt werden, in denen wir den Husdruck von Gazalis tieferen Überzeugungen finden dürfen, ohne Rückficht darauf, ob eine Bekannt« febaft Jehuda Hallewis mit der fraglichen Schrift anzunehmen ift. Der Punkt, an dem eine Gemeinfamkeit beider — hier genauer ein Abhängigkeitsverhältnis — am deutlichften hervortritt, ift bereits berührt worden. Es ift ihre kritifch ablehnende Stellung gegenüber den „Pbiiofopben". Gazalis fcharffinniges Buch vom „Zufammenbrucb der Pbiiofopben" zielt im wefent* lieben nicht auf eine eigentliche Widerlegung des flriftotelismus, in dem Sinne, daß feine Lehren als in fich widerfpruchsvoll oder zu abfurden Folgerungen führend naebgewiefen würden, fondern zeigt größtenteils nur, daß diefe Thefen nicht auf unmittelbar gewiffen Vorausfe^ungen beruhen, daß es fich nicht um ein Wiffen, fondern nur um ein Meinen handelt. So felbftändig Gazalis Schrift in ihrem Inhalt ift, fo zeitgebunden ift fie in der Form: ganz in der Weife der theologifchen Scbolaftik der Mohammedaner, des Kalam, ift der Stoff in eine größere Zahl von Einzelfragen zerfplittert, die meift rein dialektifcb, ohne Zugrundelegung eines feften Standpunktes, und unüberfichtlich, mit vielen Unter« brechungen durch Einwände und Zwifchenfragen, behandelt werden; es fehlt an der Hervorhebung des Prinzipiellen, an der finalyfe der Grundbegriffe der Gegner, welche ein Eingehen auf viele Einzelheiten unnötig gemacht hätte. Jehuda Hallewi kann auf dem Werke des großen Moslems bereits fußen. Er braucht nicht mehr wie diefer mit einer gewiffen Vollftändigkeit die Beweife der „Pbiiofopben" für ihre ke^erifeben Rnficbten in eingehenden fubtilen Unterfuebungen zu widerlegen. Ihm ift es nur um zweierlei zu tun: einmal das un» geheure Hnfehen, das die ariftotelifche Lehre noch immer genoß, nachhaltig weiter zu erfebüttern, dann aber — und darin geht er über Gazali hinaus — ihre Unzulänglichkeit gegenüber den Forderungen des religiöfen und ethifchen Bewußtfeins zu zeigen. Dem erften Ziele dient hauptfächlich eine Reihe kritifcher Bemerkungen, die einer fummarifchen Darftellung des Syftems der Pbiiofopben teils angehängt teils eingeftreut find. Es find nicht aus der Tiefe geholte, umftändlicben Erweifes und dialektifcher Zickzackgänge bedürftige Argumente, die hier vorgebracht werden, fondern - wenigftens im Sinne des Hutors - unmittelbar fchlagende Einwände, geeignet, die Schwächen des Gegners ins grellfte Licht zu fetjen. Naturgemäß handelt es fich zum größten Teil um diefelben