Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 25)
- Language
- German
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22 Von den biblifeben Erzählungen im Koran was üe vernaebläffigt haben, und ihre Gelübde erfüllen und den Umgang machen um das alte Haus". Mohammed kann alfo wie fich felbft (39, 14), fo auch Hbraham als den erften Moslem bezeichnen. Und wie Mohammed es inzwifd>en getan, muß nun auch Hbraham eindeutig Stellung zu Judentum und Chriftentum nehmen. Hier tritt zu dem Hanifentum Abrahams ein neues Moment hinzu. Während in mekkanifcher Zeit unter Hanif der verftanden wird, der fich vom Gö^endienft abwendet und Hllah als Einzigen bekennt, aber dabei die Frage unerörtert bleibt, wie das Hanifentum fich zu Judentum und Chriftentum verhält, weiß Mohammed jetjt, daß Hbraham als Hanif weder Chrift noch Jude war (2, 129): „und fie fpreeben: werdet Juden oder Naza« rener, damit ihr rechtgeleitet feid! Sprich: nein, (befolget) die Religion Hbra« hams, der Hanif war und kein Götzendiener". Oder (3, 58): „o, Volk der Schrift, warum ftreitet ihr über Hbraham? Da doch Thora und Evangelium erft nach ihm binabgefandt wurden? Wollt ihr denn keine Einficht haben? Hbraham war weder Jude noch Chrift, fondern ein Hanif, ein Moslem und kein Götzendiener. Siehe, die Hbraham am näcbften ftehen, wahrlich, das find diejenigen, die ihm folgen, der Prophet und feine Gläubigen". Und wie Hbraham, „der Freund Hllabs", „der in diefer und jener Welt gefegnet ift", waren auch Ismael, Ifaak, Jakob und die ganzen Stämme weder Juden noch Chriften. Darum bezeichnet jetjt Mohammed Juden und Chriften, denen der Gefandte „reine Blätter, in denen wahrhafte Schriften enthalten find", vor» lieft, als abtrünnig und dem Höllenfeuer verfallen, da fie fich zum reinen Glauben als Hunafa (Mehrzahl von Hanif) nicht bekennen wollen. So wird denn auch ein febarfer Trennungsftrich zwifeben Hbraham und feinen Nachkommen gezogen. Von der Berufung Hbrahams erzählt Sure 2, 118: „und als Hbraham von feinem Herrn geprüft worden war durch Gebote und er fie erfüllt hatte, fprach er (Hllah): „Siehe, ich mach dich zum Imam über die Menfchen. Er fprach: und (auch welche) von meinen Nachkommen? Er fprach: meinen Bund erlangen nicht die Rucblofen". Diefes harte Wort wird aller« dings an .anderer Stelle (57, 26) etwas eingefohränkt, indem einige aus der Nacbkommenfcbaft des Noab und Hbraham als recbtgeleitet, die meiften aber als Frevler bezeichnet werden. Hls Hbraham nach der Einweihung der Kaaba als eines Hfyls für alle Menfchen betet: „mein Herr, mache diefes Land ficher und verforge fein Volk mit Früchten, den, der glaubt unter ihnen an Hllah und an den jüngften Tag" (2, 120), fchleudert Hllah fofort feinen Fluch gegen die fpäteren Ungläubigen: „wer aber ungläubig ift, den will ich wenig ge* nießen laffen, dann übergebe ich ihn der Feuerftrafe und fchlimm ift die Fahrt". Das Teftament, das Hbraham feinen Kindern hinterläßt, ift denn auch in diefem Sinne ftreng muslimifch (2, 126): „o, meine Kinder, fiebe, Hllah bat euch die (wahre) Religion ausgewählt. So fterbt denn nicht, ohne Moslems geworden zu fein". Bemerkenswert ift noch, wrelche Stellung Mohammed Hbraham feinem Vater gegenüber einräumt. Nachdem Hbraham nach der Sage fich in mekkanifcher Zeit nur von den Göthen des Vaters frei wiffen wollte, fagt er fich