Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
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Von den biblifcben Erzählungen im Koran 15 erfter in der Reibe der „Gerechten". Seine Weisheit ift größer als die der Engel. HUah führt das erfte Menfcbenpaar ins Paradies und verbietet ihnen, fich dem Baume der Erkenntnis zu nähern. Der Sündenfall und der Fluch, der Hdam zuteil wird, werden gefchildert, aber Hdam tut Buße, um fchließlicb doch, nachdem Eva ihm ein Kind geboren, dem Gö^endienft zu verfallen. Hus der Fülle der Beifpiele dafür, wie jüdifche Sagenftoffe faft unverändert in den Koran hinüber wandern, fei aus der Hdamsgefcbicbte eines näher behandelt: Hdam benamt alles. Sure 2, 28 — 31 (med.): „und als dein Herr zu den Engeln fprach: fiehe, ich fe^e auf die Erde einen Stellvertreter, da fprachen fie: willft du auf fie einen fetten, der Verderben ftiftet und Blut vergießt? Und wir verkünden doch dein Lob und heiligen dich! Da fprach er: fiebe, ich weiß, was ihr nicht wiffet. Und er lehrte Hdam die Namen aller Dinge. Dann brachte er fie vor die Engel und fprach: nennt mir ihre Namen, wenn ihr wahrhaftig feid. Da fagten fie: dein fei Preis! Uns ift kein Wiffen mit Ausnahme deffen, was du uns gelehrt baft. Wahrlich, du bift der Wiffende, der Kundige. Da fagte er: o Hdam, nenne du ihre Namen! Und als er fie genannt hatte, fagte er (HUah): fagte ich euch nicht, daß ich das Verborgene des Himmeis und der Erde kenne und weiß, was ihr offen tut und was ihr verbergt?" Huf den jüdifcben Urfprung der Sage hat fchon Geiger (1833, S. 97f.) hingewiefen. Sie findet fich an mehreren Stellen des jüdifcben Schrifttums. Hm meiften fcbeint mir folgende mit der koranifchen Faffung übereinzuftimmen: Num.r. XIX, 3: „Worin beftand feine (Hdams) Weisheit? Du findeft, daß, als Gott den Menfcben fcbafFen wollte, er fich mit den Dienftengeln beriet. Er fagte zu ihnen: wir wollen einen Menfcben nach unferem Bilde machen (Gen. I, 26). Da fprachen fie zu ihm: was ift der Menfch, daß du fein gedenkeft (Pf. VIII, 5). Da fagte er: der Menfch, den id^ fcbaffen will, ift klüger als ihr. Was tat er (Gott)? Er verfammelte alles Vieh, Wild und Geflügel und brachte es vor fie (die Engel). Und fprach: welches find ihre Namen? Da wußten fie es nicht. Hls er den Menfcben erfcbaffen hatte, brachte er es (das Vieh) vor ihn. Und fragte: wie heißen diefe? Da fprach der Menfch: diefes nennt man „Ocbfe", diefes „Löwe", diefes „Pferd", diefes „Efel", diefes „Kamel" und diefes „fldler". Denn fo heißt es: er nannte mit Namen (Gen. II, 20). Da fagte er (Gott) zu ihm: und wie ift dein Name? Er fprach: „Hdam". Und warum? Weil ich vom Erdboden Cadimi) gefchaffen bin. Da fprach Gott zu ihm: und wie foll mein Name fein? Er (Hdam) fagte: „Ewiger". Und weshalb? „Du bift der Herr aller Gefchöpfe." Vergl. Tanb. Hbfcbn. buqqat, Genr. VIII, 4, XVII, 5, Sanhedrin 38b. Bei näherer Betrachtung diefer Sage erweift fich noch manches innerhalb der koranifchen Faffung als jüdifcbes Gut. So findet fich die Vorftellung, nach der die Engel glauben, Gott den noch nicht gefchaffenen Menfcben erfetjen zu können im Tanb. Hbfcbn. bebuqqötai, wonach die Engel Gott auf die Frage: