Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
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Von den biblifcben Erzählungen im Koran 13 beitlicber. Gotdziher bat richtig bemerkt, daß Mohammed „in den Einzelheiten des Scböpfungsvorgangs die Relation der Bibel ignoriert" („ Gedenkbucb f. D. Kaufmann", „Die Sabbatinftitution im Islam", S. I). Die Schöpfung der Welt endigt mit der Niederlaffung Hllabs auf feinem göttlichen Thron. Himmel und Erde find aus einer Urmaffe, die gefpalten wird, gefcbaffen.1) Der koranifche Bericht von der Erfcbaffung der Welt - in feiner Hauptdarftellung jüdifcb - ftammt aus der zweiten und zum größten Teil erft aus der dritten mekkanifchen Periode. Huch finden ficb gnoftifdbe Elemente vor, die durch Sekten, aber auch Juden und Chriften auf Mohammed gekommen fein mögen. Der ftarke jüdifche Einfcblag wird erklärlich, wenn man erwägt, daß die Schöpf ungsgefchichte bei den Juden aller Zeiten eine große Rolle gefpielt hat. Mit der biblifcben Darftellung mifchen ficb midrafchifcbe Sagen. Huffallend find die Hnklänge an die Pfalmen. Die Übereinftimmung ift an manchen Stellen fo groß, daß ein bloßer Zufall nicht mehr angenommen werden kann, da die Schöpfungsvorgänge oft in den Pfalmen verherrlicht werden, und der bekannteftc Pfalm in diefer Reihe, der 104., als ein durch die Liturgie bekannter in Bruch« ftücken auf Mohammed gekommen fein mag; doch fei darauf bingewiefen, daß folcbe ftark an Pfalmen anklingende Stellen auch durch die Vermittlung cbriftlieber Liturgien Mohammed bekannt geworden fein können. Die Natur* fcbilderungen innerhalb des Schöpfungsbericbts, wie überhaupt im Koran, unterscheiden ficb dadurch von den Naturfcbilderungen der Zeitgenoffen Mobammeds, daß fie nicht die kleinften Einzelheiten beachten, fondern - wie die Pfalmen — mehr den großen Eindruck wiedergeben wollen, den die Betrachtung der Natur hervorruft. Zwei biblifebe Momente fehlen: die Bildung des Menfchen am legten Schöpfungstage und die Inftitution des Sabbat, die den fibfebluß des biblifcben Weltentftebungsaktes darftellt. Über den Sabbat äußert ficb der Koran deutlich (Sure 16, 125): „Der Sabbat (als Ruhetag) ift nur jenen auferlegt worden, die feinetwegen Meinungsverschiedenheiten haben, und fiehe, dein Herr wird zwifeben ihnen richten am Tage der Ruferftebung, worüber üe uneinig find/' Darunter find Juden und Chriften zu verftehen. Fils Bündnis mit den Kindern Israel bringt der Koran den allwöchentlichen Ruhetag mit der finaitifeben Gefe^gebung in Verbindung. Für feine Hnhänger hat Mohammed den Sabbat auf den 6. Tag verlegt, an dem die werktägliche Arbeit geftattet ift. Warum Mohammed den Sabbat als Fibfebluß der Schöpfung nicht kennen will, ift nicht eindeutig gefagt. Der Koran betont öfters, daß Hllab keine Müdig- 1) fln einer einzigen Stelle, Sure 21, 31, erwähnt Der alte babylonifebe Mythus von der Spaltung eines urfprünglicb dafeienden Untieres findet ficb, wenn auch verblaßt, erhalten: Gen. r. LXVIII, 20 und Jevus. NedarimlH, 12. Die Sage findet ficb auch deutlich im flav. Henochbuche, wonach „der fehr große Ideol auseinanderbrechen muß, damit Sichtbares aus ihm geboren werde" (fibh. d. K. Gefeilfeh. d. Wiffenfcb. zu Göttingen, Phil.- hiftor. Klaffe Bd. I, Berlin 1897, S. 25). Vergl. den Xoyog rotxsvg des Philo. Nach Sure 65, 12 fpaltet der Logos Oamr=memrä) die Urmaterie und febafft fo 7 Himmel und 7 Erden.