Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
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Von den biblifcben Erzählungen im Koran 11 und verfpottet. Das Strafgericht aber brach ftets über die Sünder und Leugner herein, und nur die Gottesfürchtigen und diejenigen, die fleh ermahnen ließen, wurden gerettet. Mohammed tritt bewußt in die Reihen der Gottesmänner ein. Da er üch nicht aus eigner Kenntnis auf frühere Berichte berufen konnte, fondern auf eine mündliche, oft mißverftandene Belehrung angewiefen war, erfcheinen bei ihm fpäte, legendenhafte Husfchmückungen als Inhalt der Bibel. Für die Juden war ihm alles „Taurät", für die Chriften alles ,,'lngül". Die biblifcben Vorftellungen im Koran weifen darum nicht wenig chriftliche Vor* ftellungen auf. Chriftus felbft ift Gottesmann wie Mofe. Die unzweifelhaft jüdifeben Momente innerhalb der biblifcben Gefchichten aber zeigen eine über« rafebende Ineinanderfchachtelung von biblifcben und aggadifd>en Legenden. Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob die Juden Rrabiens zur Zeit Mohammeds als im jüdifeben Sinne „gelehrt" anzufprechen find. Rabbinen und Gelehrte haben fie nach der Hngabe des Koran befeffen. Einen Wertunter« febied zwifchen Bibel und flggada v/erden fie wohl felbft nicht gekannt haben. Wahrscheinlich fchöpften die Laien große Teile ihres Wiffens aus dem Gottes« dienfte. Rllfabbatlicb pflegte der Methurgeman, der Interpret des biblifcben Textes, diefen, wie damals faft überall, in die Landesfprache zu überfeinen und flocht zweifellos aggadifche Erzählungen in feine Überfettungen, ein. Jedenfalls konnten fo in der Vorftellung der arabifeben Juden biblifebe und aggadifche Stoffe miteinander verfchmelzen. Cbarakteriftifcb für die Hrt der Übernahme der gehörten Dinge ift es, daß Mohammed vieles aufbewahrt, wie er es verftanden oder beffer mißver« ftanden hat. Eliezer (ebriftlicb Elazar) z. B., den Knecht Rbrabams, nennt er fizar, da er das El für den arabifeben Hrtikel anfieht, und hält ihn für Hbrahams Vater (Frankel, Z. D. M. G. Bd. 56, S. 72). Der Name des Stamm» bruders der Hditen, Hud, ift, wie mir febeint, vielleicht mit dem mißver* ftandenen Namen des Richters Ehud zufammenzufteilen. Den Verführer beim meabitifchen Gelage, Simri, vermifcht er mit dem abtrünnigen Samaritaner und teilt dann dem Sämiri feine Rolle bei der Verfertigung des goldnen Kalbes zu.1) Für Mohammeds verworrene Vorftellung von biblifcben Dingen ift es u. a. bezeichnend, daß er Maria, die Mutter Chrifti, febon in früher Zeit für die „Scbwefter Hbrons" hält, alfo die Familie Rmram's für die Jefus ausgibt. Die Vorausfetuang für eine fruchtbringende Unterfucbung über die Herkunft erzählender Stoffe im Koran ift, daß der arabifche Text auf feinen tat* fächlichen Wortfinn hin geprüft wird. Nur das unbeftreitbar vorhandene Wort des Koran, nicht die fpätere Huffaffung der muslimifcben Interpreten ift auf feinen jüdifeben, bzw. chriftlichen Urfprung hin zu unterfuchen. Dazu muß das gefamte Koran «Material herangezogen werden. Keine noch fo leife Hndeutung, kein Hinweis darf außer Hebt gelaffen werden. Das ganze ift am betten 1) Sept. bat mit jofepbus „zambri", Epbraem Syrus: „zamri".