Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
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Von den biblifcben Erzählungen im Koran 9 Sprenger, Nöldeke, Snouck«Hurgronje, Grimme u. a. hinzu, die Bei« träge zur Erklärung der biblifcben Elemente im Koran liefern. Gemeinfam mit der Koranforfcbung überhaupt während der legten 100 Jahre haben alle diefe Unterfucbungen der fpäteren moslemifchen Koranexegefe eine große Bedeutung beigemeffen. Man glaubte in den reichen Stoffmaffen der arabifcben Überlieferung, nach der flusfprücbe des Propheten durch eine ununter* brochene Zeugenkette fcbeinbar einwandfrei beglaubigt werden, eine zuver* läffige Kunde über Mohammed und fein Buch zu befi^en. Vieles wurde wohl bezweifelt. Hber erft dank den Forfchungen Ignaz Gotdzihers wiffen wir, daß fich in diefen Überlieferungen die politifchen, religiöfen und geiftigen Kämpfe der erften Jahrhunderte des Islam widerfpiegeln- und daß kurze Zeit nach Mohammeds Tode feine Geftalt bereits von Sagen und Legenden umrahmt war. Wir haben jedenfalls kein völlig fichercs Kriterium für die Echtheit einer moslemifchen Überlieferung. Die künftige Forfchung wird für die vielen unklaren Stellen im Koran anderswoher Hufklärung fuchen müffen. Sie wird ihren Blick nach rückwärts ftatt nach vorwärts richten und zur Exegefe des Korans das gefamte Schrifttum der Juden und orientalifchen Chriften bis zur Zeit Mohammeds, die Gnofis und die altarabifche Poefie heranziehen. Denn fcbon im aufkeimenden Bewußtfein feiner propbetifcben Miffion fühlte fich Mohammed abhängig von der Vergangenheit. Man hat bereits darauf hingewiefen, daß das Wort Quran mit dem fyrifchen Qerjanä und dem hebräifeben Miqrä und Qeriä zufammenzuftellen fei (Nöldeke-Scbwally, Bd. 1, S. 32 ff.). Miqra und Qerjanä bedeutet die Schriftverlefung bei 3uden und fyrifchen Chriften. Nun febreckte Mohammed fcbon in frühefter Zeit vor dem „Tage des Gerichts" zurück. Efchatologifdie Vorftellungen, meift von Chriften übernommen, beginnen ihn zu beunruhigen. Goldziher nennt diefe Betrachtung die „idee mere" feiner Verkündigung (Vorlefungen über den Islam, Heidelberg 1910, S. 5). Mohammed erlebt in feinem Geifte die bevorftehende Beftrafung aller Sünder. Juden und Chriften hatten ein Buch, dem fie gött« liebe Bedeutung beimaßen und deffen Verlefung im Mittelpunkte ihres Gottes» dienftes ftand (Horovit) „Quran" in Islam, Bd. 13, S. 66 ff.). Wie begnadet waren Juden und Chriften, daß fie Hllabs Wort befaßen. fluch waren ihnen Gottesmänner und Warner erftanden. Seinem Volke aber, den Arabern, war bis zur Stunde kein Gefandter und kein Buch befebieden. Aber die Offenbarung, die den anderen zuteil geworden war, war keine letzte geweCen. Im Himmel wird die Urfchrift „die Mutter des Buches„die verdeckte Schrift", „die behütete Tafel" aufbewahrt, aus der Thora und Evangelium „Taurat und Ingü" ftammen. Konnte nicht auch feinem Volke die Qerjana in verftänd* lieber, arabifeber Sprache vermittelt werden? (Horovitj daf.) So bricht fich das propbetifebe Selbftbewußtfein Mohammeds Bahn.1) Er fühlt fich berufen, der Gefandte Hllabs an fein Volk zu fein und übermittelt ihm den Koran. 1) Hotovit} in Scripta Universitalis alque Bibliotbecae Hierosolymitanarum. Hiero* solymis MCM XXIJI, S. 1.