Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
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8 Von den bibtifchen Erzählungen im Koran (S. 1). Darum febickt Geiger fid> an, den Nachweis dafür zu erbringen, daß vieles im Koran jüdifeben Urfprungs ift. Nachdem Mohammeds grund« faßliche Stellung dem Judentum gegenüber dargelegt worden ift, wird an Hand des Quellenmaterials gezeigt, welche Gedanken, Begriffe, Anflehten, Dogmen und Erzählungen der Stifter des Islams aus dem Judentum übernommen hat. Die biblifeben Gefchichten im Koran nehmen den größeren Teil des Buches in Anfprucb. Im Jahre 1902 iftinLeipzig, M.W.Kaufmann, ein unveränderter Abdruck diefer Arbeit erfchienen. Mit Recht weift Schwally (Nöldeke«SchwaUy, „Gefcbicbte des KoransLeipzig 1909, Bd. 1, S. 6, Anm., Bd. 2, S. 208 ff.) darauf hin, daß die febarffinnigen Unterfuchungen Abraham Geigers von den nachfolgenden jüdifeben Generationen wieder hätten aufgenommen werden müffen. Denn die Geigerfcbe Arbeit bedeutet wohl für ihre Zeit eine Be* reicherung der Islamwiffenfcbaft in vieler Hinficht und hat auch die jüdifche Gefcbicbtskenntnis gefördert. Auch heute find die Richtlinien diefer Arbeit und die Art der quellenkritifchen Erforfchung eines großen Teiles des angeführten Koranmaterials nicht überholt. Aber trotz des guten Glaubens des Verfaffers, „daß ihm nicht eine anzuführende Stelle entgangen fei" (S. 199), erwies es fieb bald, daß Geiger nicht wenig an fremden Elementen im Koran, die aus dem Judentum ftammen, außer acht gelaffen hatte. Auch floffen die midrafchifchen Quellen zur Zeit Geigers nicht fo reichlich wie heute, fo daß ihm fo manche jüdifche Vorftellung nicht bekannt fein konnte. Vor allen Dingen aber mußte die Aufgabe, die man Geiger geftellt hatte, zu einer einfeitigen Betracbtungs« weife des Korans fowie Mohammeds führen. Denn die Vorftellungen, die der Prophet des Islams von Perfonen und Erzählungen des Alten Teftaments hatte, gehen auf jüdifche und chriftlidbe Einflüffe zurück. In die Fußftapfen Geigers wollte Hartwig Hirfchfeld treten. In drei Arbeiten („Jüdifche Elemente im Koran", Bertin 1878, „Beiträge zur Erklärung des Korans", Leipzig 1886, „New Researches into the Composition and Exegesis of the Qoran", London 1902) fuchte er Geigers Forfdbungen zu er» gänzen und fortzuführen. Hirfchfeld hat das Verdienft, viele Einzelheiten ans Licht gezogen zu haben. Aber an der Löfung der Aufgabe, die Geiger fo glücklich begonnen, die einzelnen Vorftellungen, die Mohammed von jüdifeben Dingen und Perfonen hatte, klarzulegen und auf ihre Quelle hin zu unterfueben, hat Hirfchfeld wenig weiter gearbeitet. Auch er betrachtet den Koran vorwiegend von jüdifcher Warte aus. Die Arbeit von Schapiro „Die haggadifchen Elemente im erzählenden Teile des Korans", von der bis je^t nur eine Monographie der Jofephfure erfchienen ift, behandelt die fpäteren mohammedanifchen Überlieferungen zur Jofephsgefchichte einheitlich mit dem Koran vom Standpunkt der jüdifeben Aggada aus. Die Vorftellung, die Mohammed felbft von den Einzelheiten der Jofephserzählung hatte, ift lückenhaft dargefteltt. Zu diefen größeren Arbeiten jüdifcher Forfcber treten die Unterfudnmgen ebriftlicber Gelehrten wie Weil,