Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
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2 Philipp Bloch zum Gedächtnis diefem aufs Neue die Kräfte des alten jüdifcben Lebens zu. Die intimere Gefchichte des jüdifcfoen Geiftes im 19. Jahrhundert wird die einzelnen Phafen diefes Prozeffes zu verfolgen und in der Entwicklung der jüdifcben Wiffen« fcbaft die Nachwirkung felbft der provinzialen Eigentümlichkeiten jüdifcben Lebens und jüdifcher Gelehrfamkeit in den verfchiedenen Teilen Deutfchlands und feiner Nachbarländer aufzuzeigen haben. In feiner oberfcblefifcben Heimat ift Bloch noch unter dem Einfluß der alten Kehilla und ihrer Tradition herangewacbfen. Hber freilich lebte in den Trägern diefer Tradition felbft ein ftarkes Bildungsftreben, und der hervor» ragendfte Vertreter jüdifcher Gelehrfamkeit in diefem Kreife, der Beuthener Rabbiner Israel Deutfd}, ein Onkel Blochs, gehörte zu den wenigen Rabbinern der alten Schule, die der jüdifcben Bewegung ihrer Zeit mit Verftändnis folgten und imftande waren, in ihre Kämpfe in den Formen moderner literarifcher Bildung einzugreifen. So fand Bloch, in dem fich früh die wiffenfchaftliche Begabung regte, kein Hindernis auf feinem Wege nach allgemeiner Bildung, und na Adern er kurze Zeit ein Breslauer Gymnafium befucht hatte, trat er in das wenige Jahre zuvor gegründete jüdifcb*tbeologifcbe Seminar zu Breslau ein. Hier find ihm die entfcheidenden fintriebe für feine wiffenfchaftliche Entwicklung zu Teil geworden. Zacharias Frankel, der Direktor der jungen ffnftalt und ihre ftärkfte moralifche Energie, weckte jede wiffenfchaftliche Begabung unter feinen Hörern und übertrug auf fie feine Huffaffung des rabbinifchen Berufes, die in der wiffenfcbaftlicben Arbeit einen Teil der rabblnifcben Tätigkeit felbft erblickte. Hucb Bloch hat ihm den wiffenfcbaftlicben Impuls zu danken. Die Richtung, die fein wiffenfchaftliches Intereffe nahm, wurde indeffen durch andere Einflüffe beftimmt. Das Ideal des Forfchers war für ihn bis in fein Hlter hinein Jakob Bernays, der in der Gymnafial» abteilung des Seminars die klaffifchen Sprachen lehrte. Die ungemeine Feinheit und Eleganz feiner Forfcbung, die geiftvolle Lebendigkeit feiner fcharf zu« gefpi^ten Charakteriftik und die gefcbliffene Kunft feiner Darftellung übten auf feine Hörer eine faszinierende Wirkung aus. Wenige von ihnen ftehen fo deutlich unter feinem Einfluß wie Bloch, deffen von Haufe aus auf Feinheit der Gedankenführung und Darftellung gerichtete Begabung fich an dem Mufter des Lehrers bildete. Seine die pointierende Schärfe liebende Schreibweife läßt diefen Einfluß ebenfo erkennen wie feine forgfältig gepflegte Kunft, Menfcben der Gegenwart und der Vergangenheit in knapper, fchlagender Dar« ftellung zu fchildern. Inhaltlich wurde die Rid^tung feiner Studien durch Grätj und Joel beftimmt. Seine Wendung zur jüdifcben Gefchichte, die wohl Grät^ fchem Einfluß zugefchrieben werden darf, fällt freilich erft in fpätere Jahre. Sein erftes und urfprüngliches Intereffe gehörte der von Joel gepflegten philofophie^gefchichtlichen Hrbeit. Die Gefchichte der jüdifcben Philofophie des Mittelalters war erft feit kurzem der Forfcbung erfchloffen worden, als Bloch fein Studium begann. Die grundlegenden Hrbeiten Salomon Münks hatten der Forfcbung ein feftes Fundament gegeben und den Gang der Entwicklung