Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
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34 Bericht des wissenschaftlichen Vorstandes Nach Abschluß seiner Arbeit hat Herr Dr. Alb eck seine Untersuchungen über die Ararnaismen in der Mischna wieder aufgenommen. Herr Dr. Spanier war zunächst mit einer kleineren, sich unmittelbar an seine Tosefta-Arbeit anschließenden Untersuchung beschäftigt; über seine weiteren Arbeiten, die auf ganz andere Gebiete hinübergreifen, berichten wir zweckmäßiger erst im nächsten Jahre. Herr Dr. Baer wird seiner Einleitung zum Clever Landjudenschaftsbuch im nächsten Jahre die Ausgabe selbst folgen lassen, deren Bearbeitung so gut wie abgeschlossen ist. Seine weiteren Arbeiten werden auf dem Gebiet der Geschichte der Juden in Spanien liegen, die der Gegenstand seines ersten Werkes gewesen ist. Seine schon in dem ersten Bericht des wissenschaftlichen Vorstandes erwähnten Untersuchungen über den Schebet Jehuda liegen nach nochmaliger Umarbeitung und Erweiterung jetzt druckfertig vor und werden in den nächsten Monaten erscheinen, Frl. Dr. Stern hat das Material für die ersten Bände ihres Werkes: der preußische Staat und die Juden jetzt vollständig gesammelt. Sowohl von der Aktenpublikation, wie von der auf ihr aufgebauten Darstellung wird im kommenden Jahre der erste Band herausgegeben werden. Über die Gesichtspunkte ihrer Arbeit berichtet ihr in diesem Korrespondenzblatt enthaltener Aufsatz. Im vorjährigen Bericht ist kurz erwähnt worden, daß demnächst unter Leitung von Prof. Dr. Horowitz in Frankfurt a. M. mit einer Arbeit auf islamischem Gebiet begonnen werden solle. Die Arbeit ist dem aus der Schule des Herrn Prof. Horowitz hervorgegangenen Herrn Dr. Speyer in Frankfurt übertragen worden und hat den Einfluß des Judentums auf die Entstehung des Islam zum Gegenstand. Seit Abraham Geiger vor neunzig Jahren in seiner Erstlingsarbeit, die seinen Ruf als Forscher begründete, die hier bestehenden Zusammenhänge ins Licht stellte, sind sie durch eine Reihe z. T. sehr wertvoller Einzeluntersuchungen in vielen Punkten weiter aufgeklärt worden. Eine umfassende, das ganze Gebiet einheitlich in Angriff nehmende Behandlung ist ihnen jedoch seit Geiger nicht mehr zu Teil geworden. Die besonders in den letzten Jahrzehnten außerordentlich vertiefte Einsicht in Wesen und Ursprung des Islam stellt auch die Frage seines Zusammenhanges mit dem Judentum unter entscheidend veränderte Gesichtspunkte. Das bedeutsame Thema verlangt daher eine neue dem Stande der philologischen und religionsgeschichtlichen Forschung entsprechende Bearbeitung. Sie ist von gleicher Wichtigkeit wie für die Islamkunde auch für die Wissenschaft des Judentums, die hier den universalgeschichtlichen Einfluß des Judentums an einem Beispiel von höchster geschichtlicher Tragweite zu verfolgen Gelegenheit hat. Die religionsphilosophische Sektion hat sich als erste Aufgabe die Herausgabe der wichtigsten Werke der jüdischen Religionsphilosophie in deutschen Übersetzungen gestellt. Der Arbeitsplan des Forschungsinstituts sieht bereits Übersetzungen solcher Werke vor, die für die am jüdischen Schrifttum interessierten Laien und die des Hebräischen nicht kundigen Gelehrten von besonderem Interesse sind. Beides trifft für die religionsphilosophischen Texte in hohem Maße zu. Der Einfluß der jüdischen Philosophie des Mittelalters auf die Geistesgeschichte des mittelalterlichen und modernen Judentums bringt ihre Hauptwerke dem Interesse aller derer nahe, die um ein Verständnis der inneren Entwicklung des Judentums bemüht sind. Ihr Eingreifen in die allgemeine philosophische Entwicklung des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit macht für die philosophiegeschichtliche Forschung das Studium ihrer wichtigsten Werke zur Notwendigkeit. Wir hoffen, daß die Herausgabe der Übersetzungen dazu beitragen wird, die geschichtliche Bedeutung der jüdischen Philosophie zu erhöhter Geltung zu bringen und damit einem Ziele zu dienen, das Hermann Cohen, dem großen Begründer unserer Akademie, besonders am Herzen lag. Dem systematischen Gange der Arbeit würde es freilich entsprechen, die Übersetzungen erst einer Edition der Werke folgen zu lassen. Die Schwierigkeiten, die sich dem Zugang zu den wichtigsten arabischen und hebräischen Handschriften entgegenstellen, machen indessen die Herstellung von Editionen, die au vollständigem Handschriftenapparat beruhen und die Textüberlieferung endgiltig aufklären, in den meisten Fällen jetzt zur Unmöglichkeit. Da-