Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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Bericht des wissenschaftlichen Vorstandes 33 Sein Amt hat der Unterzeichnete übernommen. An den Arbeiten des Vorstandes haben die in Berlin wohnenden Mitglieder der im vorigen Jahre begründeten Kommissionen ständigen Anteil genommen und an der Beratung über die ihr Fachgebiet betreffenden Arbeiten regelmäßig mitgewirkt. Wo es möglich war, haben wir auch den Rat der auswärtigen Kommissionsmitglieder eingeholt und hoffen die äußeren Schwierigkeiten, die ihre Mitwirkung an unseren Arbeiten bisher beeinträchtigten, in Zukunft überwinden zu können. Durch den Tod des von der ganzen jüdischwissenschaftlichen Welt tief betrauerten Rabbiners Dr. Poznanski in Warschau hat auch unsere literarhistorische Kommission, der er als Mitglied angehörte, einen schweren Verlust erlitten. 2. Mitarbeiter. Unsere ständigen Mitarbeiter sind die gleichen geblieben wie im vorigen Berichtsjahre. Von ihnen bereitet sich jedoch Herr Dr. Spanier, der den Wunsch hat, mit der wissenschaftlichen Forschung noch eine andere Berufstätigkeit zu verbinden, seit Oktober 1921 an der hiesigen Staatsbibliothek auf die Laufbahn als wissenschaftlicher Bibliotheksbeamter vor und ist seither nur nebenamtlich bei uns tätig. Der Umfang seiner Tätigkeit wird sich erst endgiltig bestimmen lassen, wenn er den Vorbereitungsdienst beendet und wieder mehr Zeit für wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung hat. Zu den Mitarbeitern, die nur für die Lösung einer bestimmten Aufgabe mit dem Forschungsinstitut verbunden sind, ist Herr Dr. Speyer aus Frankfurt a. M. neu hinzugetreten. Über die ihm übertragene Arbeit aus dem Gebiet der Islamkunde wird weiter unten berichtet. Am Ende des Berichtsjahres haben wir beschlossen, den um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Rabbiner Dr. Theodor in Bojanowo in engere Beziehungen zu unserm Forschungsinstitut zu bringen. Seine für die Midraschforschung grundlegende Edition des Bereschit Rabba ist schon früher von uns subventioniert worden. Da ihm aber in seinem jetzigen Wohnort nach dessen Abtrennung von Deutschland die für Beendigung seiner Arbeit erforderlichen Hilfsmittel nicht mehr zugänglich sind und die Gefahr besteht, daß das bedeutsame Werk unvollendet bleibt, wird ihm das Forschungsinstitut die Möglichkeit gewähren, nach Deutschland zu übersiedeln, um die Ausgabe hier in seinem Auftrage zu Ende zu führen. Das Verhältnis des Herrn Dr. Theodor zum Forschungsinstitut kann im Einzelnen erst später geregelt werden. Jedenfalls aber erhoffen wir, daß seine ausgebreitete Kenntnis der jüdischen Literatur auch unseren anderen Arbeiten zu Gute kommen wird. 3. Arbeiten. Wie eingangs erwähnt werden gleichzeitig mit diesem Bericht die ersten aus dem Forschungsinstitut hervorgegangenen Arbeiten der Öffentlichkeit übergeben. Es sind dies: Albeck, „Komposition der Miscbna". Spanier, ,,Die Toseftaperiode in der tannaitischen Literatur". Baer, „Clever Landjudenschaftsbuch", Bd. 1 enthaltend die historische Einleitung. Die Herren Baer und Sj nier haben bereits im vorigen Korrespondem iatt eingehend über ihre Arbeiten berichtet. Ein ausführlicher Bericht des Herrn Dr. Albeck über seine Arbeit ist in dem vorliegenden Heft enthalten. Wie aus ihm ersichtlich ist, gehört die Arbeit des Herrn Dr. Albeck demselben Problemgebiet an, das auch Herr Dr. Spanier behandelt: der literarkritischen Analyse der tannaitischen Literatur. Der grundlegenden Bedeutung, die eine schärfere Einsicht in die Entstehung der tannaitischen Literatur für alle sachlichen und formakn Probleme der Talmudforschung besitzt, entspricht es, daß diese Aufgabe gleichzeitig von ve schiedenen Seiten her in Angriff genomir n wird. Da die Arbeit des Fsrrn Dr. Albeck c z Mxschna, die des Herrn Dr. Spanier die Tosefta zu ihrem Gegenstande hat, sind sie ihrem engeren Thema nach bestimmt gegeneinander abgegrenzt, wenn naturgemäß auch ihre Probleme vielfach ineinandergreifen. Die hier und da hervortretenden Meinungsverschiedenheiten im Einzelnen, die bei der hypothetischen Natur solcher Untersuchungen unvermeidlich sind, zu verwischen, lag kein Anlaß vor. Worauf es uns ankommt, ist die Einheit der Methodik nicht eine äußerlich hergestellte Einheit des Standpunktes. 3