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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 32

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
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32 Bericht des wissenschaftlichen Vorstandes äußeren Gründe allein, die uns zu langsamerem Vorgehen veranlaßt haben. Die Einheitlichkeit der Arbeitsweise, die für die Gemeinschaftsarbeiten des Forschungsinstituts unerläßliche Voraussetzung ist, muß zunächst in einem engeren Kreise sorgfältig ausgewählter Mitarbeiter herausgebildet und befestigt werden, um sich dann auch in einem größeren Verbände als feste Tradition zu erhalten. Die in unserem Forschungsinstitut ausgeführten Einzeluntersuchungen haben neben ihrem unmittelbaren Wert auch die weitere Bedeutung, diese Einheitlichkeit der Arbeitsweise allmählich heranreifen zu lassen, die auch eine einheitliche Durchführung von Arbeiten korporativen Charakters ermöglicht. Die direkte Vorbereitung derartiger Arbeiten geht daneben einher. Der Vorbereitung der Bibliotheca Judaica dient die im letzten Jahre erheblich geförderte Arbeit an den hebräischen Kreuzzugsberichten, an denen die Grundsätze und Methoden des Editionsverfahrens entwickelt werden. Einer anderen ebenfalls nur durch die Zusammenarbeit mehrerer Gelehrten zu lösenden Aufgabe haben wir uns, wie weiterhin noch genauer zu berichten ist, im abgelaufenen Jahre zuzuwenden begonnen und sind mit ihrer Vorbereitung beschäftigt. In beiden Fällen nehmen die Vorarbeiten längere Zeit in Anspruch, weil wie die personalen auch die sachlichen Voraussetzungen solcher umfassenderer Arbeiten besonders sorgsamer Entwicklung bedürfen und die Herausarbeitung eines klar durchdachten Arbeitsprogramms und einer der besonderen Natur der Aufgabe angepaßten Methodik der entscheidende Teil der Leistung ist. Noch für einige Zeit also werden in den Veröffentlichungen unseres Instituts diese sich langsamer entwickelnden Arbeiten hinter den Einzeluntersuchungen zurücktreten. Der weitausgreifende Plan des Forschungsinstituts kann nur in der Weise verwirklicht werden, daß sich während einer bestimmten Zeit unsere Tätigkeit vorwiegend in einer Arbeitsrichtung konzentriert, und erst wenn hier die Bedingungen eines stetigen Fortgangs geschaffen sind, eine neue Richtung einschlägt. 1. Vorstand und Kommissionen. Der Vorstand des Forschungsinstituts hat durch den vorzeitigen Heimgang seines Mitgliedes, des Herrn Rabbiners Dr. Nobel in Frankfurt a. M. wiederum einen schweren Verlust erlitten. Die Eigenart seiner bedeutenden Persönlichkeit wird in dem dieses Korrespondenzblatt eröffnenden Nachruf gewürdigt. Den Gedanken unseres Forschungsinstituts hat er mit der ganzen Wärme seiner empfänglichen Natur ergriffen, und ohne an seinen Arbeiten stärkeren aktiven Anteil nehmen zu können, ist er ihm doch durch die Lebendigkeit seines Interesses ein wertvoller Förderer gewesen, dessen wir stets in Dankbarkeit gedenken werden. Für ihn und den im vorigen Jahre verstorbenen Professor Dr. Brann (Breslau) sind die Professoren Dr. Elbogen und Dr. Guttmann, Dozenten an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, in den Vorstand eingetreten. Im April 1922 hat Herr Professor Taeubler sein Amt als Leiter des Forschungsinstituts und Schriftführer des wissenschaftlichen Vorstandes niedergelegt, um einem Ruf an die Universität Zürich zu folgen. Das Forschungsinstitut verliert in ihm den Mann, dem es seinen ganzen inneren Aufbau verdankt. Er hat den Plan einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums zum Gedanken des Forschungsinstituts weitergeführt, mit sicherem und umfassendem Blick sein Arbeitsprogramm entworfen und die Grundzüge seiner Organisation festgelegt. Mit glücklichem Griff hat er die Mitarbeiter unseres Instituts gewonnen und sie als eine wirkliche Führernatur in kurzer Zeit zu einer geschlossenen Gemeinschaft zusammengeführt. Auf den weit auseinanderliegenden Gebieten ihrer Arbeit hat er, ohne sie in ihrer wissenschaftlichen Freiheit zu beengen, die Stellung der Probleme und die Methoden der Forschung entscheidend bestimmt und allen in unserem Institut entstandenen Arbeiten das Gepräge seiner energischen und geistvollen Persönlichkeit verliehen. Es ist der schwerste Verlust des Forschungsinstituts, daß dieser ausgezeichnete Leiter es so bald verlassen hat. Mit um so größerer Freude ist es zu begrüßen, daß er ihm als Mitglied des wissenschaftlichen Vorstandes weiterhin nahesteht und an der Entwicklung des von ihm geschaffenen Werks auch in Zukunft mitwirken wird.

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