Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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…/2707513-2707518--113-2707677- Visual Library
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Talmudischc Wissenschaft 25 obwohl die anderen Halakot auch an den geeigneten Stellen gelehrt wurden. Andererseits wiederum wird eine Halaka an geeigneter Stelle vermißt, weil sie eben den Sammlern dieses Traktates unbekannt war, und uns dieselbe nur gelegentlich durch die Schule überkommen ist, aus der Teile eines anderen Traktates hervorgegangen sind. Bei der Redigierung eines Traktates lagen die Mischnajot anderer Traktate außerhalb des Gesichtskreises der Schlußredaktion und wurden nicht herangezogen, Die Mahnung Chias an Rab: Wenn Rabbi (Jehuda ha-Nasi) mit dem einen Traktat beschäftigt ist, frage ihn nicht über einen anderen Traktat (Sabbat 3 a), gilt in Bezug auf unsere Mischna in vielfacher Hinsicht. Unsere bisherigen Folgerungen werden durch folgende Erzählung im Talmud Jeruschalmi (Maaser Scheni V 1,55 d) erhärtet. R. Jehuda ha-Nasi wurde nach einer Lesart in der Mischna befragt. Er wußte keine Auskunft zu geben und empfahl, einen Mann namens Jizchag Ruba zu fragen, der in solchen Dingen Bescheid wisse. Dieser erklärte, in einigen Mischnajot sei die eine und in anderen die andere Lesart überliefert. In unserer Mischna wechselt auch die Lesart in den betreffenden Mischnajot. Diese verschiedenen Lesarten können aber nur durch die verschiedenartigen Traditionen der Schulen erklärt werden. R. Jehuda ha-Nasi wollte aber garnicht die richtige Lesart festgestellt wissen, sondern er begnügte sich mit der Feststellung, daß in den einzelnen Schulen verschiedene Termini gebraucht wurden, und überlieferte sie auch getreu weiter. Erst die Amoräer suchten die richtige Lesart festzustellen (Berakot 35a). Dieser wissenschaftlichen Überlicferungstreue verdanken wir auch, daß die Spuren der sprachlichen Unterschiede, die in den Schulen herrschten, in unserer Mischna nicht verwischt sind. Ihr Sprachgebrauch ist daher kein einheitlicher. In ihr wechseln biblische, neuhebräische, arameische und griechische Ausdrücke für denselben Begriff miteinander ab, und auch die technischen Ausdrücke, die für rein halakische Begriffe gebildet worden waren, werden nicht durchgängig angewandt, sondern die Begriffe müssen oft umschrieben werden. Der Sprachgebrauch der Mischna kann daher oft nicht nur für die Zuweisung einzelner Mischnajot an verschiedene Schulen mitbestimmend sein, sondern kann auch das Kriterium bilden, wonach die verschiedenen Schichten der Mischna, die zeitlich früheren und späteren Mischnajot, zu scheiden sind. Wenn eine Mischna einen später geläufigen Ausdruck für einen Begriff nicht kennt, sondern denselben erst umschreiben muß, so liegt es auf der Hand, daß sie einer Zeit angehört, in der der Terminus für den Begriff noch nicht gebildet war. So kennen beispielsweise die meisten Mischnajot des Traktates „Makschirin" den Ausdruck „kascher" (im Hifil), nach dem der Traktat selbst benannt ist, im Sinne von „zum Unreinwerden fähig machen" nicht, sondern umschreiben diesen Begriff sehr umständlich. Ebenso werden in vielen Mischnajot die Opferteile des Altars noch aufgezählt („Fettstücke und Glieder"), während andere dafür schon einen zusammen-