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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 23

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707518--111-2707675
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Talmudische Wissenschaft 23 keineswegs, wie es so oft geschieht, gefolgert werden, daß R. Aqiba eine Mischna redigiert hat, die den Grundstock unserer Mischna bildet Allerdings wird in Tosefta Zabim I davon gesprochen, daß R. Aqiba Halakot für seine Schüler ordnete. Folgende Fragen bleiben aber offen: erstens, was R. Aqiba von den früheren Halakot vorgefunden, zweitens, nach welchen Gesichtspunkten er sie geordnet hat, und endlich, wie R. Jehuda ha-Nasi das Werk oder die Werke seiner Vorgänger gestaltet hat. Letztere Frage bildet auch den Punkt, wo der Hebel mit Erfolg angesetzt werden kann. Denn nur aus dem Werke des R. Jehuda ha-Nasi selbst, aus einer Erschließung des Inhaltes und einer Analyse unserer Mischna kann Aufschluß über ihren Charakter und über das Material, das ihr zur Verfügung stand, geholt werden. Da unsere Mischna den Niederschlag einer Jahrhunderte währenden Geistesarbeit der Tannaiten bildet, die den überlieferten Stoff in ihren Schulen fortzupflanzen suchten, so darf vorausgesetzt werden, daß die Spuren der Tätigkeit der Tannaitenschulen oder die Merkmale der einzelnen Schichten in ihr nicht vollständig verwischt sind. Gelingt es, diese aufzudecken, so haben wir einen Maßstab gewonnen, nach dem der Stand der Traditionslehre vor der endgültigen Redaktion der Mischna bestimmt werden kann. * ' * Unsere Mischna ist im allgemeinen nach dem Inhalt der Halakot geordnet: sie zerfällt in sechs Ordnungen, die sich in Traktate gliedern. Nun weist sie aber die eigentümliche Erscheinung auf, daß sie ein und denselben Paragraphen (Mischna im engeren Sinne), der mannigfache Halakot aus verschiedenartigen Gebieten zusammenfaßt, in verschiedenen Traktaten, je nach dem Inhalt und sachlichen, Zusammenhange sogar in derselben Ordnung, wiederholt. Wäre unsere Mischna nur aus einer Quelle geflossen, sei es aus der Schule R. Aqibas, sei es aus der eines anderen Tannaiten, so müßte man erwarten, daß diese parallelen Stellen sowohl in sprachlicher und stilistischer als auch in sachlicher Beziehung genau übereinstimmen. Auch im Falle, daß unsere Mischna aus Mischnajot verschiedener Tannaitenschulen zusammengesetzt wäre, würde sie ein einheitliches Gepräge aufweisen, wenn eine Schlußredaktioa im heutigen Sinne stattgefunden und diese tief einschneidende Änderungen an dem überlieferten Stoffe zu machen sich erlaubt hätte. In unseren „Untersuchungen über die Redaktion der Mischna" unterziehen wir im ersten Teile über „die Komposition der Mischna" die parallelen Mischnajot zuerst einer eingehenden Prüfung. Da ergibt sich, daß ein und dieselbe Halaka in verschiedenen Traktaten verschiedene Zusätze aufzuweisen hat, Zusätze, die sie teilweise einschränken oder gar illusorisch machen. Die Fassung dieser Mischnajot kann demnach nicht aus einer und derselben Schule herrühren. Denn in diesem Falle würde sich kein stichhaltiger Grund ausfindig machen lassen, warum an der einen Stelle der Mischna ein Lehrsatz allgemein gehalten wird und an einer anderen sachlich oft ganz im-

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