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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 22

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707518--110-2707674
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ä2 Talmudische Wissenschaft Unsere Mischna bildet das Grundbuch beider Talmude. Sie enthält Lehrsätze (Halakot), Bestimmungen und Kontroversen der Tannaiten bis auf die Zeit des von der Tradition als Redaktor der Mischna bezeichneten Rabbi Jehuda ha-Nasi, die von den Talmuden (der Gemara) erklärt, gedeutet und erweitert werden. Die gesammelten Halakot reichen demnach, von einigen Zusätzen abgesehen, bis auf die Zeit des Rabbi Jehuda ha-Nasi, bis etwa zum Jahre 200 nach Christi Geburt herab. Nicht gar so leicht hingegen ist der Ursprung und das Alter der einzelnen Halakot zu bestimmen. Die meisten Halakot sind anonym überliefert. Es bildete mitunter den Gegenstand einer Kontroverse der ältesten Tannaiten, wie sie zu erklären seien. Aber auch dort, wo Namen genannt sind, handelt es sich größtenteils nur um Ausführungsbestimmungen einer Halaka, während sie selbst vorausgesetzt wird. Ja sogar von der anonymen Mischna werden Halakot vorausgesetzt. Der erste Satz der Mischna z. B. beginnt mit der Frage, von welcher Zeit an das „Schema Israel" am Abe^id rezitiert werden darf. Daß man abends das „Schema" rezitiert wird also vorausgesetzt. Ebenso werden hierauf die Zeiten der Gebete und die Formeln der einzelnen Segenssprüche bestimmt. Auch in diesem Falle werden die täglichen Gebete und die Segenssprüche selbst als bekannt angesehen. Daraus wäre man geneigt zu schließen, daß die anonymen Halakot, insbesondere aber die stillschweigend vorausgesetzten, sehr alt sind. Und doch kann dieser Schluß auf allgemeine Geltung keinen Anspruch erheben. Das erkennt man sogleich, wenn man auch die andere Literatur jener Zeit in den Kreis der Betrachtung zieht. So sind z. B. Philo und Josephus ganze Gebiete der Halaka unbekannt; ersterer scheint nicht einmal von dem Verbote, Fleisch in Milch zu kochen und zu genießen, zu wissen. Auch die Apokryphen stimmen an den Stellen, wo sie das Religionsgesetz berühren, nur selten mit der Halaka überein. Will man nicht all dies der Unwissenheit der Verfasser zuschreiben, so ist man zu der Annahme genötigt, daß die Halaka um die Zeit der Tempelzerstörung in großen Partien einerseits noch fließend und andererseits nicht in dem Maße verbreitet war, wie es nach unserer Mischna den Anschein hat. Hiermit ist eine andere wichtige Frage aufs innigste verbunden, die Frage nämlich: Wann wurden die Halakot zuerst formuliert und gesammelt? Denn das Alter einer Halaka bedingt nicht einen gleich alten, festgesetzten Wortlaut und eine bestimmte Formulierung. Dieselbe Halaka könnte in den einzelnen Schulen verschieden stilisiert und in verschiedenem Zusammenhang gelehrt worden sein. Hat es dann vor der Redaktion unserer Mischna einen feststehenden Wortlaut für die einzelnen Lehrsätze gegeben? Im Talmud babli Sanhedrin 86 a wird zwar im Namen des Rabbi Jochanan berichtet, daß unsere anonyme Mischna auf die Mischna des Rabbi Meir und diese wiederum auf R. Aqiba zurückgeht. Dieser Ausspruch kann aber nur den Sinn haben, daß unsere anonymen Mischnajot gewöhnlich in der Version, wie sie in der Schule R. Aqibas gelehrt wurden, überliefert sind. Daraus darf aber

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