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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707518--099-2707663
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Der Staat des Großen Kurfürsten und die Juden 11 Und in der Stadt selbst herrschten die Zünfte, dieses „Überbleibsel einer bereits untergegangenen Ordnung der öffentlichen Verhältnisse**, einst eingerichtet, um „mittelst einer nach Quantität und Qualität genau geregelten Produktion den städtischen Markt und den Absatz zu sichern". Nun aber, da mit der Entdeckung der Kolonien, mit der Gründung von Flotten und Kompagnien, mit der Ausbildung der Technik und des Verkehrswesens, mit dem Aufkommen der Banken und dem Aufblühen der Industrie in der ganzen Welt große wirtschaftliche Veränderungen sich vollzogen, waren sie nicht mehr im Stande, den Ansprüchen eines harten und rücksichtslosen, aber großartigen und unternehmenden Zeitgeistes zu genügen, Auf ihren alten Privilegien fußend, hielten sie starr am Althergebrachten fest und begrenzten strenge die Produktions- und Absatzgebiete. Der Kampf gegen alle Konkurrenz, der Ausschluß aller Fremden, die völlige Geschlossenheit der Zunft, die Abwehr jeder, auch der nützlichsten Neuerung, war das charakteristische Merkmal dieser im Kerne faulen und egoistischen Korporationen. Wenn der Große Kurfürst nun in allen Edikten den Juden das Recht zu kaufen und zu verkaufen gewährte, wie den freien Handel in den einzelnen Provinzen, wenn er sie offene Kramläden und Buden halten ließ, ihnen die Erlaubnis zum Schlachten und zum Besuch der Jahrmärkte und Messen gab, so tat er damit den fest umschriebenen Rechten der Zünfte gewaltigen Abbruch, Er hat es sicherlich ganz bewußt getan. Denn es war sein heißes Bestreben, die Mißbräuche der Zünfte zu reformieren, den Preisverabredungen wie dem „Numerus clausus", den teueren Meisterstücken und dem hohen Meistergelde entgegenzuwirken. In der Überzeugung, daß die „Konkurrenz das gewerbliche Leben auf gesundere Basis bringe", hatte er ja auch schon überall Freimeister angesetzt und ihnen die Konzession erteilt, außerhalb der Zünfte zu verkaufen. Seine Hauptsorge war dabei, in seinen Landen die „commercia zu retabliren". Zu diesem. Zwecke suchte er den Handel, soweit es seinen Zollinteressen nichts.schadete, „nicht durch Niederlagszwang, Straßenverbote und Flußsperren in gewünschte Bahnen zu pressen, sondern ihn durch Begünstigungen und Darbietungen von Vorteilen anzulocken". Wie er die Wasser - und Landstraßen vermehrte, wie er seine Schiffe zwischen Königsberg und Spanien fahren ließ und großartige Marine- und Kolonialpläne schmiedete, so bediente er sich auch der Juden als eines der vielen Mittel, den Handel in seinem Lande neu zu beleben. Hoffte er doch, die Fremden würden durch ihren frischen Unternehmermut und ihre weite Handelserfahrung seine bedächtigen, seßhaften und selbstzufriedenen Untertanen mit fortreißen, mehr Geld in Umlauf bringen und den noch halb naturalwirtschaftlichen Charakter seines Staates in den modernen geld- und kreditwirtschaftlichen umwandeln. Das Beispiel Cromwells, noch mehr des andächtig bewunderten Hollands, in dessen Handelsleben die Juden damals eine große und vielbesprochene

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