Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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Bericht des Wissenschaftlichen Vorstandes 33 können, wenn der theorethisch-normierende Teil hinter dem historischen zurücktritt. Darum muß die für die Gegenwartsinteressen, denen das Forschungs-Institut wissenschaftlich dienen will, besonders wichtige soziologische Sektion aus der historischen herauswachsen. Dies ist der Gesichtspunkt, der uns im Januar 1920 bestimmte, Frl. Dr. Selma Stern aus Frankfurt a. M., die sich durch zwei grössere und eine Anzahl kleinerer Arbeiten auf dem Gebiete der neueren Geschichte bewährt hatte, speziell für die Aufgabe heranzuziehen, durch weitschichtige archivalisch-historische Arbelten auf dem Gebiete der neueren jüdischen Geschichte eine breite Grundlage für soziologische Arbeiten zu schaffen. Im Juni 1920 begannen wir die talmudische Sektion, ihrer besonderen Bedeutung entsprechend, weiter auszubauen. Herr Dr. Chanoch Albeck, aus Warschau gebürtig, Sohn des hervorragenden Talmudisten Schalom Albeck, trat neben Herrn Dr. Spanier. Herr Dr. Albeck soll die Verbindung mit der alten Tradition talmudischen „Lernens" und mit den mit ihr verknüpften Vorzügen einer auf anderen Wissensgebieten in dieser Weise kaum erstrebten Beherrschung des Stoffs herstellen; er soll sich außerdem besonders den sprachwissenschaftlichen Aufgaben des Talmuds widmen und von ihnen aus in Verbindung mit Herrn Dr. Spanier auch an den in engerem Sinne philologischen Arbeiten auf diesem Gebiete teilnehmen. Wir bemerken vorweg: in naher Zeit wird ein talmudisch . gut geschulter Jurist als Dritter in die talmudische Sektion eintreten. Im Oktober 1920 kam Herr Dr. Obermann, Privatdozent der semitischen Philologie in Hamburg, als ständiger Mitarbeiter hinzu. Seine bisherigen Arbeiten sind sprachwissenschaftlichen und philosophiegeschichtlichen Inhalts. Seine Tätigkeit für das Forschungs- Institut liegt zunächst auf grammatischem Gebiet, wird aber voraussichtlich die philosophiegeschichtliche und religionswissenschaftliche Richtung nehmen. Die sechs ständigen Mitarbeiter sind vorläufig nur auf Zeit mit dem Forschungs- Institut verbunden. Ueber eine dauernde Anstellung, die ihnen amtlich die Stellung Heft 1 gibt, die wissenschaftliche Beamte etwa an staatlichen Archiven oder Bibliotheken haben, kann erst nach Ablauf des Provisoriums und nach ihrer ausreichenden Bewährung entschieden werden. Die Anstellung kommt auch, abgesehen von der Bewährung, nicht unbedingt für alle in Betracht. Das Foschungs-Institut braucht einen festen Stamm, der in erster Linie Träger seiner Arbeiten und seiner wissenschaftlichen Traditionen ist. Aber dieser Stamm kann naturgemäß, aus ideellen und finanziellen Gründen, nicht sehr groß sein. Das Forschungs- Institut wird ausserdem immer darauf angewiesen sein, auf Zeit Mitarbeiter heranzuziehen: in der Art des Arbeitsauftrags bis zur Fertigstellung eines Werkes oder aul noch kürzere Zeit: hauptamtlich, d. h. unter voller Ausnutzung der Arbeitskraft, oder nur nebenamtlich; Gelehrte, denen eine Aufgabe zu selbständiger Durchführung übergeben werden kann, oder Anfänger, die als Hilfsarbeiter und Stipendiaten des Forschungs- Instituts in der Arbeit zur wissenschaftlichen Selbständigkeit heranreifen sollen. In noch loserem Verhältnis zum Forschungs- Institut stehen Mitarbeiter, die von sich aus, mit oder ohne vorherige Vereinbarung mit dem Vorstand, Arbeiten durchführen und sie uns zur Veröffentlichung in unseren Publikationsreihen übergeben. Abgesehen vom Autorenhonorar und den Druckkosten erwachsen dem Institut aus diesen Arbeiten keine besonderen Ausgaben; es sei denn daß die Beschaffung des Materials (Bücher, Abschriften, Photographien) Kosten verursacht, die das Institut übernimmt. An diese Arbeiten müssen wir natürlich denselben Maßstab anlegen wie an die im Institut ausgeführten. Auch Arbeiten dieser Art werden hoffentlich eine ständige Verbindung zwischen ihren Verfassern und dem Institut schaffen. Bisher ist dies der Fall mit den Herren Dr. Chajim Tykocinski, bekannt als Mitarbeiter an der Germania Judaica, und Dr. Fitz Heinemann, Verfasser einer von der Akademie der Wissenschaften in Wien gekrönten Schrift über Plotin. Als selbstverständlich sei schließlich erwähnt, daß die Mitglieder des Vorstands, der Kommissionen und die unserem Fach- 3