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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 20

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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IRI
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20 Gemeinde und Landjudenschaft Einwirkungen der Aussenwelt nicht unberücksichtigt bleiben. Denn diese haben ihre unbestreitbare Bedeutung für die Entwickelung des Judentums, das auf dem Gebiet der öffentlichen Verwaltung in besonders hohem Masse von den allgemeinen politischen Tatsachen und Rechtsbegriffen abhängig ist. Gleichwohl sind die Formen des jüdischen Gemeinde- und Organisationswesens nicht ein wirres Vielerlei, das nur durch den Zufall der örtlichen Umstände bedingt wird. Die räumliche Entfernung hat nie die große Gemeinschaft des Judentums zu durchbrechen vermocht. Wie überhaupt bei verfassungsgeschichtlichen Studien, ist besonders hier eine isolierte Betrachtung der Einzelheiten unzulänglich. Sie verbietet sich häufig allein durch die Dürftigkeit des erhaltenen Materials, vorwiegend aber durch die wechselnden Bedingungen der jüdischen Geschichte, die gewisse Möglichkeiten an der einen Stelle unterdrückt, um sie an einem anderen Punkt zur Entfaltung kommen zu lassen. So finden sich in den großen jüdischen Gemeinden Spaniens Einrichtungen, von denen man auf dem Boden des deutschen Mittelalters nur Keime entdeckt, die aber in ähnlicher Entfaltung, wenn auch unter scheinbar ganz anderen Verhältnissen später wieder in Polen auftreten. Andererseits haben die neueren Jahrhunderte für den Forscher den Vorzug, die mittelalterlichen Institutionen in teilweiser Erstarrung und teilweise im Kampf mit dem Absolutismus scharf zu beleuchten, und hierfür sind dann wieder die deutschen und österreichischen Verhältnisse besonders instruktiv. Ebenso wenig aber wie den gemeinsamen Kern darf man die gemeinsame Entwicklung der jüdischen Gesellschaftsordnung außer Acht lassen. Es muß mit Entschiedenheit betont werden, daß sich das jüdische Wesen zu keiner Zeit und in keiner seiner Erscheinungsformen dem stillen unaufhaltsamen Flusse des geschichtlichen Lebens hat entziehen können, so wenig dies auch dem befangenen oder teilnahmslosen Auge erkennbar ist. Gerade die vielgescholtene Periode der letzten Jahrhunderte vor der Emanzipation hat neue Formen des jüdischen Lebens, z. T. sehr erfreuliche Bildungen, geschaffen, die nur dann übersehen werden, wenn man ziemlich junge Institutionen den Tatsachen der Ueberlieferung zum Trotz ins Mittelalter zurückverlegt. So stellt das Problem einer Geschichte der jüdischen Gemeindeverfassung der Forschung mannigfaltige und doch von einem einheitlichen Motiv beseelte Fragen. Sie zu lösen, bedarf es genauester lokaler Einzeluntersuchungen, deren Augenmerk immer auf das gemeinsame Ziel gerichtet sein muss, — eine komplizierte Aufgabe von seltenem Reiz, die den Forscher nötigt, dem Schicksal seines Objekts, des vielgewanderten Volkes, bis in die entlegensten Verzweigungen nachzuspüren, die ihm aber auch einen mehr als oberflächlichen Blick in dessen Seele gestattet. II. Es ist die Aufgabe des „Forschungs-Instituts für die Wissenschaft des Judentums", solche Wege zu bahnen, welche die jüdische Wissenschaft über

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