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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 19

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Gemeinde ünd Landjudenschaft Wesen dar jüdischen Gemeinde des Mittelalters nach den reichlicher fließenden Quellen dieser Zeit zu charakterisieren, dürfen wir es wagen, die eigenartigen Züge dieses Bildes bis in die Antike und den Orient zurückzuspiegeln? Begnügen wir uns hier, diese Fragen aufgeworfen zu haben, und vergegenwärtigen wir uns, was die jüdische Gemeinde innerhalb des christlich-europäischen Feudal- und Ständestaates bis zur Emanzipation bedeutet hat. Denn hier haben wir festen Boden; ein relativ umfangreiches, einwandfrei zu deutendes Material steht uns zu Gebote, und es handelt sich um eine große einheitliche, aber doch in vielfältigen Wandlungen erscheinende Kultur. Einige grundlegende Momente haben diese Betrachtung einzuleiten: Das mittelalterliche Bestreben, den einzelnen einer nationalen, religiösen und sozialen Gemeinschaft einzuordnen, fördert die Geschlossenheit der jüdischen Gemeinde. Sie hat ihr Änalogon besonders in den zerstreuten Siedelungen der Friesen, Lombarden, katholischen Portugiesen und französischen Hugenotten und anderer Gruppen. Aber während diese nur die Aussenposten politisch mehr oder weniger gefestigter Nationen bilden, flattert das Judentum ohne sichtbaren Halt in der Weit umher. Seine Siedelungsbasis und sein religiös-jurisdiktionelles Zentrum hat es verloren, und fortan bildet die Gemeinde sein einziges konstitutives Element. Um so bedeutsamer erweist sich nun die Ausbildung der kommunalen Institutionen. Die jüdische Gemeinde dieser Periode ist nicht nur eine religiöse, sondern ieine ausgesprochen nationale Körperschaft. In ihr herrschen im Gegensatz zur Umwelt Rechtsbegriffe, die auf einem uralten fremden Boden erwachsen sind und sich doch innerhalb der europäischen Kultur neu formen und fortentwickeln. Häufig schon durch den Ort ihrer Niederlassung charakterisiert, von der Aussenwelt durch Mauern abgeschlossen, bildet die jüdische Gemeinde, soweit sie zu grösserer Entfaltung gelangt, einen selbständigen Wirtschaftskörper mit einem Markt und in Zünften organisierten Vertretern der wichtigsten Berufszweige in ihrer Mitte; in kleineren Verhältnissen sinkt sie zu einer Kaufmannssozietät hinab. Die feudale und ständische Gesellschaftsordnung der Zeit treibt die Judenheit immermehr in sich hinein. Das Gefühl, in einer fremden und feindlichen Welt zu leben, das Bewußtsein der Verbundenheit von ganz Israel sind mächtige Faktoren des Zusammenschlusses weit über den Rahmen der Ortsgemeinde hinaus. Soviel Züge nun die mittelalterliche jüdische Gemeinde aus der alten Welt übernommen haben mag, stellt sie sich doch im Ganzen als etwas Neues dar, und dieses Neue ist nicht nur bedingt durch den Einfluß der Umwelt, sondern durch eine spontane innerjüdische Schöpfung von Begriffen und Lebensformen, die dem antiken Judentum fremd waren. Die Ader im jüdischen Organismus, welche diesen mittelalterlichen Typus bestimmt, muß herausgelöst werden, bevor man ihre Anfänge im Altertum und ihre Ausläufer in der Gegenwart zu verfolgen sucht. Dazu ist es nötig, die jüdische Gemeinde in Europa als eine Einheit zu erfassen. Freilich dürfen die lokalen Verhältnisse und

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