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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 17

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Gemeinde und Landjudenschaft Judentum nicht an organisatorischen Kräften, welche seinen Bestand über die Jahrtausende hinweg gewährleistet haben. Wir sehen sie heute in d*n großen jüdischen Landesverbänden und Weltorganisationen zu neuem Ltben erwachen. Diese Verbände bedeuten aber nur die Erneuerung dessen, was längst und immer in der Wirklichkeit oder doch wenigstens in der Anlage vorhanden gewesen war. Auch nach dem Niedergang der zentralen religiösen Autorität im Orient zerfiel die Einheit des Judentums keineswegs. Zeitig begann man sich in Anlehnung an die staatlichen Gebilde der Umwelt zu Landesverbänden zusammenzuschließen, deren Bedeutung mit dem Erstarken des allgemeinen politischen Lebens zunahm. Wenn diese Verbände nicht den Wirkungsbereich der modernen Weltorganisationen hatten, wenn es weniger ihre Aufgabe sein konnte, prinzipielle Probleme des jüdischen Daseins durch energisches Zufassen zu lösen, als vielmehr den Rest Israels durch wirtschaftliche und geistige Gefahren behutsam und ängstlich zu leiten und für eine bessere Zukunft zu erhalten, so übertreffen sie unsere heutigen Institute bei weitem durch die Intensität, mit der sie alle Seiten des jüdischen Lebens ergriffen. Ihnen konnte der Jude nicht nur mit einem Teile seiner Kräfte und seiner Interessen angehören; denn ohne sie hatte er keine politische und gesellschaftliche Existenz. Der judenschaftliche Verband vertrat die Rechte des einzelnen gegenüber dem Staat; ihm oblag Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung nach innen; er zog die Regelung des Unterrichtswesens und der religiösen Angelegenheiten in z. T. noch heute vorbildlicher Systematik in den Bereich seiner Kompetenzen. Die Grundlage jedoch aller jüdischen Organisationen bildete die Ortsgemeinde. Sie müssen wir zunächst in» Auge fassen, wenn wir uns über die politische Gestaltungsfähigkeit des Judentums aufklären wollen. Aber was ist die jüdische Gemeinde? Ist sie ausschließlich eine Glaubens- und Kultgenossenschaft oder dieses und noch mehr? Ist sie sich zu allen Zeiten gleich geblieben, oder hat sie und mit ihr ein Grundprinzip des Judentums im Laufe der Jahrhunderte Wandlungen erfahren? Welche Kräfte führen überhaupt zur Entstehung einer jüdischen Gemeinde? Woher stammen ihre Institutionen, und wodurch ist ihre Entwicklung bedingt? Welches ist der Geist ihrer Verwaltung? Wie baut sich die Gesellschaft in ihrem Schöße auf? Das alles sind Fragen, deren Beantwortung in größeren Zusammenhängen noch kaum versucht worden ist. Und doch hängen sie so eng mit dem Kern des jüdischen Wesens und seines Schicksals zusanmen, daß ihre Lösung auf Grundprobleme der jüdischen Geschichte ein Licht zu werfen geeignet ist. So sehr nun ein die Summe dieser Fragen bändigender Blick von Nöten ist, so will doch auch die Besonderheit der Kulturen berücksichtigt werden, durch die das jüdische Volk gegangen ist. Wenn man sich zunächst dem Altertum zuwendet, wird man vor allem geneigt sein, in Palästina und Babylonien den Urtypus der jüdischen Gemeinde zu vermuten. Hat es doch hier vorwiegend und ausschließlich von einer jüdischen Bevölkerung bewohnte Heft 1, 2

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