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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 15

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707516--063-2707626
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Probleme der Mischna-Kritik *5 Kolleghefte der Lehrer zurückführen, so suchen wir damit nachträglich zu erklären, daß die meisten Traktate nicht den Grad von Vollkommenheit in Aufbau und stilistischer Abrundung erreichen wie Aboth, Tamid, Middoth. Diese selbst bestehen sicherlich nicht aus bloßen Vorlesungsnotizen; es sind literarisch durchgearbeitete Schriften, die wohl von vornherein zu einer auch über den engeren Kreis der Schule hinausgehenden Veröffentlichung bestimmt waren. Ginzberg hat für Tamid bewiesen, daß es nicht von R. Jehuda ha-Nasi in die Gesamt-Mischna aufgenommen worden ist, und das gleiche auch für Middoth nachzuweisen versprochen. Ich glaube ihm das auf grund eigener Beobachtungen im voraus und möchte aus Gründen, die ich hier nicht darlegen kann, auch für Aboth dasselbe annehmen. Wie es kam, daß R. Akiba Tamid nicht berücksichtigte: diese Frage wird von Ginzberg nicht einmal aufgeworfen, obgleich er den Traktat für den ältesten hält. Von unserem eben entwickelten Standpunkt aus ist es dagegen wohl ohne weiteres verständlich, daß R. Akiba die Aufnahme von Tamid wie von Middoth und Aboth nicht für nötig oder nicht für zweckentsprechend hielt. Auch Joma, das in seinem Wesen mit Tamid nahe verwandt ist, wurde von ihm erst der Gesamt-Mischna einverleibt, nachdem es durch Hinzufügung des letzten Kapitels zu einer Art von Kollegsschrift umgestempelt worden war.-- Damit habe ich in flüchtigen Umrissen ein Bild von der literarischen Entwickelung der Mischna und des Talmuds üherhaupt gegeben. Ich habe mich dabei durchweg mit Andeutungen begnügen müssen, entsprechend dem Charakter dieses Korrespondenzblattes, das in die größeren Veröffentlichungen des „Forschungsinstituts für die Wissenschaft des Judentums" in allgemeinverständlicher Form einführen und auch die Aufmerksamkeit wissenschaftlich interessierter Laien auf sie lenken soll. Es ist nach allem Gesagten kein Zufall, wenn die talmudischen Arbeiten des „Forschungsinstituts" mit der Tosefta beginnen: für eine genetische Erfassung des Talmuds muß dieses Werk den Ausgangspunkt bilden. Ich gedenke demnächst, die Entstehung der Scholien aus der Mischna und ihre Rückwirkung auf diese selbst zu behandeln und werde auch das Verhältnis der Tosefta zu den Baraithoth-Versionen der Talmude zu klären versuchen. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, daß die Abweichungen zwischen diesen Versionen durch Zufälle, wie sie die mündliche Ueberlieferungsweise mit sich bringe, bedingt seien. Nur ein Teil der Abweichungen beruht auf Zufällen der Ueberlieferung; den wichtigsten liegen ganz bestimmte sachliche und literarische Tendenzen zugrunde, und diese Tendenzen sind für die Tosefta, den palästinensischen und den babylonischen Talmud verschieden. Die Beziehungen der Gesamtversionen zueinander lassen sich in ein festes System bringen, das bei der Herstellung des Textes und bei der sachlichen Kritik berücksichtigt werden muß. Hinsichtlich der Textkerstellung der Baraithoth empfiehlt es sich übrigens auch noch aus einem anderem Grunde, den Anfang mit der Tosefta zu machen. Nicht nur mit der indirekten Ueberlieferung, den parallelen Zeugnissen, sondern

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