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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 14

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Probleme der Mischna-lCritik Die Tosefta enthält also in der Hauptsache den Niederschlag der gelehrten Tätigkeit in den Lehrhäusern der Akibaschüler. Es handelt sich um Bemerkungen zur Mischna des R. Akiba teils erklärender, teils berichtigender, teils nur allgemein ergänzender Art. Als R. Jehuda ha-Nasi daranging, die Mischna des R. Akiba zeitgemäß umzugestalten, hat er ebendiese Scholien aus den Lehrhäusern der Akibaschüler in der oben geschilderten Weise bei seiner Arbeit verwertet. Damit ist das Parallelitätsverhältnis erklärt, das zwischen der Mischna oder einer bestimmten Schicht von ihr und der Tosefta obwaltet. Offenbar aber haben dem R. Jehuda ha-Nasi auch noch Scholien zur Verfügung gestanden, die später der Tosefta-Redaktor nicht mehr berücksichtigen konnte oder wollte, wie denn andererseits in dessen Sammlung noch viele Scholien aus dem Lehrhaus R. Jehuda ha-Nasis und vielleicht auch aus denen seiner Zeitgenossen hineingekommen sind. Eine starke Stütze für die hier dargelegten Gedanken bietet der palästinensische Talmud. Vergleicht man die Baraithoth dieses Talmuds mit der Tosefta, so zeigt sich, daß uns dort noch die Scholien in ursprünglicherer Form vorliegen; man sieht, wie der Sammler der Tosefta sich wenigstens hie und da bemüht hat, den Schein literarischer Einheitlichkeit herzustellen, wie er wenigstens notdürftig die Fugen, die zwischen diesem Scholiengeröll überall klafften, zu verkleben suchte. Uebrigens ist das Verhältnis des palästinensischen Talmuds zur Tosefta insofern für die einzelnen Traktate ein verschiedenes, als sich nur in wenigen der beiderseitige Scholienvorrat fast völlig deckt. Wo die Tosefta mehr hat, wird man annehmen dürfen, daß ihr Sammler außer den Scholien der Schule von Tiberias, aus der der palästinensische Talmud stammt, noch die anderer benutzt hat. Wo umgekehrt der palästinensische Talmud mehr hat, da werden die Tiberienser Scholien spätere Zuflüsse in sich aufgenommen haben. Die einzelnen Traktate lassen sich in dieser Hinsicht deutlich in Gruppen scheiden. Anders verhält es sich mit den Baraithoth des babylonischen Talmuds. Der babylonische Talmud hat einfach unser Tosefta-Buch und gleichartige Kompilationen der palästinensischen Scholien benutzt. Für die Baraithoth der tannaitischen Midraschim ist zu fragen, ob die Mischna-Scholien aus ihnen entlehnt sind, oder ob sie ihrerseits aus der Mischna und deren Scholien stammen. Die Antwort wird wohl zumindest in der Regel im letzteren Sinne ausfaller», müssen. — Nehmen wir nunmehr unsere einleitenden Gedanken wieder auf, die die Unterscheidung zwischen Gemeinschafts- und individueller Arbeit betrafen, so werden wir sagen dürfen, daß im Talmud alle möglichen Arten antiker Schulliteratur vertreten sind und sich klar von einander sondern. Der Talmud setzt sich zusammen aus Aufzeichnungen der Lehrer zu Zwecken ihrer Vorlesung, ferner aus Scholien — schon in dem Worte liegt die Beziehung auf die Schule — und sodann aus Berichten über die in den Lehrhäusern stattgehabten Diskussionen. Wenn wir die Mehrheit der Mischna-Traktate aut

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