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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707516--059-2707622
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Probleme der Mischna-Kritik 11 unter dem Namen des R. Meir gehende Ausspruch oft wohl nicht so sehr dessen persönliche Meinung wie die schlichte Ueberlieferung wieder; geht ein anonymer Satz vorher, so wird er in der Tosefta nicht selten ausdrücklich als die Meinung eines Einzelnen bezeichnet. Diese Anschauungen über die Herkunft des anonymen Grundstockes werden uns nicht nur durch bestimmte Erscheinungen in der Mischna selbst nahegelegt und durch das Zeugnis der Tosefta bestätigt, sondern sie stimmen auch vollkommen mit Aeußerungen des Talmuds über diesen Gegenstand überein. Der Talmud gibt uns auch sonst mancherlei Andeutungen über die Redaktionsmethoden der Tannaiten überhaupt und des R. Jehuda ha-Nasi im besonderen. Um eine der bezeichnendsten hervorzuheben, so nimmt der Talmud, wenn es Widersprüche oder sonstige Schwierigkeiten in der Mischna zu erklären gilt, zuweilen nicht nur zeitliche Verschiedenheit zwischen Stücken des betreffenden Mischna-Paragraphen an, sondern setzt auch voraus, daß der Glossator oder Redaktor sich auf die Hinzufügung der neuen Bemerkung beschränkt, ohne eine Anpassung an den alten Text durch Streichung oder Umformung vorzunehmen, wie es an sich notwendig gewesen wäre: „Die alte Mischna wich nicht von ihrem Platze." Das ist nur ein besonders krasser Ausdruck für die Tatsache, daß die Ueberlieferer der Mischna und ihr letzter Redaktor nicht etwa eine freie Bearbeitung des Stoffes gegeben, sondern daß sie den alten Wortlaut nach Möglichkeit geschont haben. Fast läßt sich R. Jehuda ha-Nasis Tätigkeit mit der eines antiken oder mittelalterlichen Chronisten vergleichen; freilich beruht die von ihm angewandte Technik hier auf der Natur des behandelten Stoffes und den besonderen Bedingungen des damaligen Lehrbetriebes, schwerlich auf allgemeinem stilistischem Unvermögen; hat doch jene Zeit noch so Formenschönes wie etwa das Alenu-Gebet hervorbringen können. Uebrigens glaube ich auch, daß man das eben dargelegte Prinzip nicht in dem Maße überspannen darf, wie es von den Mischna-Kritikern praktisch fast ausnahmslos geschieht. Man muß sich vor der Vorstellung hüten, daß sich überall in der Mischna Aelteres und Jüngeres durch einen glatten Schnitt voneinander trennen ließe. Natürlich sind die nach Zeit und Urheber verschiedenen Elemente zuweilen auch eine innigere Verbindung eingegangen; es wäre wider die Natur und wider alle literarische Analogie, wenn R. Jehuda ha-Nasi seine Vorlage immer nur durch Zutaten bereichert und sie nicht auch hie und da in der Form ein wenig umgestaltet hätte. Wenn wir also in einem Mischna-Satze Zeichen jüngeren Alters finden, so ergibt sich daraus nicht sofort die Sicherheit, daß der Satz oder das Satzstück als Ganzes erst einer späteren Redaktion angehört.-- Aus den im Talmud verstreuten Bemerkungen im Verein mit der Betrachtung der Mischna selbst, können wir zunächst doch nur eine ganz allgemeine Vorstellung von der Tätigkeit des R. Jehuda ha-Nasi gewinnen. Es ist nur in den seltensten Fällen möglich, im einzelnen nachzuweisen, daß es

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