Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2707513-2707516--060-2707623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

%2 Probleme der Mischna-Kritik wirklich R. Jehuda ha-Nasi war, der diese oder jene Worte hinzugefügt oder sonst eine bestimmte Veränderung im Mischna-Text vorgenommen hätte. Ja sogar der Vorgang der Mischna-Redaktion selbst bleibt ziemlich im Dunkeln. Waren es mehrere Texte oder war es nur ein einziger, der dem Redaktor vielleicht durch mehrere Gewährsmänner übermittelt wurde? Damit hängt die Frage nach Wesen und Entstehung der Kontroversen eng zusammen. Spiegeln sich in ihnen wirklich stattgefundene Disputationen wider oder sind sie nur künstlich gebildet, indem der Redaktor gewissermassen zwei Versionen nebeneinander stellt? Die letztere Alternative, also die Möglichkeit, daß die Differenzen etwa zwischen R. Meir und R. Jehuda erst durch R. Jehuda ha-Nasi in die Form der Kontroverse gebracht worden wären, ist von J. Halevi in seinen Doroth harischonim (I, e S. 769 ff. 808) mit beachtenswerten Argumenten bestritten worden, und sicherlich ist sie mindestens für viele Fälle abzulehnen; aber ich kann Halevi nicht folgen, wenn er nun meint, daß die Mischna des R. Jehuda ha-Nasi darum nicht aus dem Zusammenfluß mehrerer Texte erklärt werden dürfe und daß sie nicht das Erzeugnis verschiedener Einzelschulen, sondern das eines einzigen großen allgemeinen Lehrhauses sei. Wir werden gleich sehen, warum das eine nicht notwendig das andere bedingt. Es entspricht jedenfalls Halevis Voraussetzungen, wenn bei ihm die Wirksamkeit R. Jehuda ha-Nasis stark zusammenschrumpft; im wesentlichen soll ihm nur das Verdienst gebühren, Halachoth, bei denen die Entscheidung noch in der Schwebe war, oder vielmehr einen Teil von ihnen zur Klärung gebracht zu haben. Dabei wird aber doch wohl der Ruhm, den R. Jehuda ha-Nasi als Mischna-Redaktor in der gesamten Ueberlieferung genießt, kaum verständlich. Ich glaube vielen z. T. auch hier noch nicht berührten Schwierigkeiten zu entgehen, wenn ich auf eine Hypothese zurückgreife, die auch von einigen Talmudisten des Mittelalters vertreten worden zu sein scheint, daß nämlich R. Jehuda ha-Nasi nicht nur seine Mischna niedergeschrieben, sondern dabei auch bereits schriftliche Quellen benutzt hat. Nehmen wir einmal an, der oben zitierte erste Satz der Tosefta Edujoth sei so zu verstehen, daß man in der Jabne-Zeit mit der Niederschrift von Mischna-Teilen begonnen habe. Dann würde auch R. Akibas Mischna schriftlich zu denken sein, und jedes Lehrhaus seiner Schüler würde ein oder mehrere Exemplare besessen haben, die zum Unterricht der Knaben benutzt worden sein mochten. Nehmen wir weiter an, in diese Exemplare seien von Schülern Notizen über Erklärungen und sonstige Zusatzbemerkungen des Lehrers eingetragen worden, ebenso über Diskussionen, die etwa dadurch hervorgerufen waren, daß Schüler, die schon in anderen Lehrhäusern gehört hatten, den Standpunkt des dortigen Lehrers beibrachten und dadurch auch ihren jetzigen Lehrer zu besonderer Stellungnahme veranlaßten. Dann würden wir uns schließlich vorstellen können, daß R. Jehuda ha-Nasi eine Anzahl dieser mit Randbemerkungen oder Scholien versehenen Exemplare benutzt hätte, daß er zunächst einmal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.