Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2707513-2707516--057-2707620
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Probleme der Mischna-Kritik 9 eigentlichen Abfassung der Traktate. Vom Standpunkt der landläufigen Mischna-Kritik aus konnte man freilich meinen, daß ein solcher Prozeß überhaupt niemals stattgefunden habe. Die mündliche Ueberlieferungsweise schien zu bedingen, daß die Entstehung der Mischna durchweg anders zu denken sei als die gewöhnlicher Literaturwerke. Aber diese Voraussetzung gerät — wie man das besonders deutlich bei Aboth sieht — mit den Tatsachen in Widerspruch. Es soll nun freilich nicht geleugnet werden, daß gerade Aboth, Tamid und auch etwa Middoth eine ungleich schärfer und ich möchte sagen geistvoller ausgeführte Disposition zeigen, als die meisten übrigen Traktate sie wohl selbst in ihrer ursprünglichen Gestalt besessen haben mögen. Inwiefern sich hier ein Unterschied ihres literarischen Wesens und ihrer ursprünglichen Bestimmung widerspiegelt, werden wir noch sehen. Indessen entbehren doch auch die Traktate, bei denen die Anordnung der Materien eine losere ist, keineswegs völlig jedes Planes, so daß wir die Behauptung aufrecht erhalten, daß für unsere Mischna individuelle schriftstellerische Erzeugnisse die Grundlage gebildet haben. — Damit wenden wir uns der späteren Mischna-Zeit zu, die schon mehr im Zeichen der Gemeinschaftsarbeit steht. — Es ist wahrscheinlich, daß R. Akiba der erste Gesamtredaktor unserer Mischna war, daß er die bis dahin vereinzelten Traktate zusammenstellte und mit Zusätzen versah, wohl auch ganze Traktate neu hinzufügte. Einen Anfang dazu könnten schon Zeitgenossen gemacht haben; aber in jedem Falle bedeutet R. Akibas Tätigkeit einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte unserer Mischna. Das wird nicht nur aus den zahlreichen Zeugnissen klar, die für seine redaktionelle Wirksamkeit z. T. sogar außerhalb des jüdischen Schrifttums vorliegen; es ergibt sich das vielmehr vor allem aus der besonderen Stellung, die seine Schüler — hauptsächlich die vier bedeudendsten, R. Meir, R. Jehuda, R. Jose und R. Simon — in unserer Mischna einnehmen. Sie erscheinen durchaus als Fortsetzer und Ausdeuter eines schon vorhandenen Textes; sehr häufig treten zwei oder mehr von ihnen gemeinsam auf als Träger einer Kontroverse, die dann oft nur Einzelheiten des Wortlauts betrifft. Für die Lehrer der füheren Generationen, die übrigens längst nicht so häufig genannt werden, gilt nicht das gleiche. Im einzelnen mag man freilich oft darüber im Ungewissen bleiben, ob ein Ausspruch nur vermöge der schriftstellerischen Fassung, in der er uns geboten wird, als Zusatz erscheint, oder ob er wirklich eine Hinzufügung ist, die den vorhergegangenen Text voraussetzt. Im ganzen ist aber doch der fundamentale Unterschied, der in dieser Hinsicht zwischen den Akiba-Schülern und den früheren Tannaiten besteht, ganz unverkennbar. Die Generation dieser Akiba-Schüler war das Medium, durch das die Mischna in ihrer Entwicklung von R. Akiba bis R. Jehuda ha-Nasi hindurchging. Unter den Akiba-Schülern nimmt R. Meir insofern eine eigenartige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.