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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707516--054-2707617
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6 Probleme der Mischna-Kritik Probleme der Mischna-Kritik. Von Arthur Spanier. Gemeinschaftsarbeit und individuelle schriftstellerische Tätigkeit in der Mischna. — R. Akibas und R. Meirs Einwirkung auf die Entwicklung der Mischna. — Redaktionsmethoden des R. Jehuda ha-Nasi. — Zwiefache Beziehungen zwischen Mischna und Tosefta — Verhältnis der Tosefta zu den übrigen Baraithoth-Versionen. — Textherstellung der Tosefta. Der Talmud ist ein Gemeinschaftswerk. Er ist nicht das Erzeugnis einer oder weniger Einzelpersönlichkeiten, sondern von gelehrten Genossenschaften in generationenlanger Arbeit geschaffen; er hat sich nicht, nachdem er einmal ins Leben getreten war, nach vorbedachtem Plan weiter entwickelt, sondern ist gleichsam triebhaft gewachsen, dabei oft über alle organische Form hinausstrebend. Für den palästinensischen Talmud ist es in letzter Zeit wiederholt betont worden, daß sich nicht einmal am Ende dieses Werdeprozesses jemand fand, der das weitschichtige Material ordnete und sichtete. Für den babylonischen Talmud steht es nicht viel anders; höchstens könnte er in dieser Hinsicht dem Grade nach von dem palästinensischen verschieden sein. Wenn uns R. Aschi und Rabina als Vollender des babylonischen Talmuds genannt werden, so haben wir doch keine bestimmten Anzeichen dafür, daß sie nicht nur gleich ihren Vorgängern das überlieferte Gut vermehrt, sondern ihm gegenüber auch eine eindringendere Redaktionstätigkeit entfaltet hätten. Auch die Mischna, die Grundlage der beiden Talmude, ist ein Gemeinschaftswerk — freilich aber nicht mehr so unbedingt wie die Talmude selbst. Wie die Geschichte jeder Volksdichtung, wenn wir sie bis zum Anfang zurückverfolgen können, uns schließlich zu bestimmten Dichterpersöniichkeiten hinführen muß, so kann auch jede gelehrte Gemeinschaftsarbeit zu ihrer Grundlegung individueller Leistungen nicht ganz entbehren. Wir dürfen uns die Entwicklung der Mischna nicht oder wenigstens nicht im strengsten Sinne unter dem Bilde einer aus kleinsten Anfängen entstehenden stetig wachsenden Lawine vorstellen. Ein Mischna-Traktat ist denn doch mehr als eine zufällige Aggregation einzelner Halacha-Sätze. Es muß notwendigerweise einmal jemanden gegeben haben, der den Plan zu ihm entwarf, die Gliederung im wesentlichen festlegte und den Kern dessen, was uns überliefert ist, schuf, der also mit Fug und Recht der Urheber und Verfasser dieses Traktates genannt werden darf. Die psychologische Notwendigkeit, die schöpferische und planvolle Tätigkeit einzelner als den Ausgangspunkt der Entwicklung unserer Mischna anzuerkennen, ist nicht genügend gewürdigt worden. In mißverständlicher Auslegung einer Talmudstelle werden vielfach diejenigen Teile der Mischna für die ältesten gehalten, die am deutlichsten die Merkmale der Gemeinschaftsarbeit an sich tragen, Teile, in denen die Sätze nur durch äußerliche Assoziationen miteinander verknüpft sind, nur etwa um eines bestimmten Stichwortes willen sonst völlig Zusammenhangloses aneinander gereiht ist. Diese

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