Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
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Verwaltimgs-Bericht. 39 Bericht des Verwaltimgs^Vorstandes. Der Verwaltungsvorstand sah sich nach der Konstituierung des Vereins im Mai 1919 vor die Aufgaben gestellt: 1. ein Bureau einzurichten, 2. eine Wohnung zu besorgen, 3. die Werbearbeit zu organisieren, 4. in ein Verhältnis des Austausches von Anregungen und Informationen mit dem Wissenschaftlichen Vorstand zu treten, 5. an den Arbeiten des Wissenschaftlichen Vorstandes, soweit sie die Heranziehung besoldeter Mitarbeiter und die Beschaffung von Arbeitsmaterial (Bücher usw.) betrafen, teilzunehmen. 1. Die Leitung der Bureau- und Werbearbeiten führte bis zum 30. Juni 1919 Herr Rechtsanwalt Paul Brasch, der bereits seit dem 1. Februar für den Permanenzausschuß tätig war, weiter dann bis zum 31. Dezember Herr Regierungsrat Dr. Badt. Beide legten wegen Überbürdung das Amt nieder. Am 1. Februar übernahm es Herr Dr. Heinemann. Neben dem Generalsekretär steht eine Sekretärin. 2. Eine Wohnung ließ sich bisher nicht finden. Das Bureau befand sich zunächst in der Wohnung des 1. Schriftführers, seit dem 1. Juli hat der 1. Vorsitzende Zimmer im Hause Philippstr. 21 zur Verfügung gestellt. 3. Mit der Werbearbeit wurde begonnen, über die persönlichen Anregungen hinauszugehen und Fühlung mit dem Ausland zu gewinnen. Führend wurden in der Unterstützung unserer Arbeiten die Jüdische Gemeinde in Berlin, die uns für das abgelaufene Rechnungsjahr und auch wieder für das laufende 20 000 Mk. bewilligte, und die Großloge des Ordens Bne Brith, der uns die Zinsen der im letzten Jahre auf 62 000 Mk, gestiegenen Timendorfer-Stiftung zuwies. Von Körperschaften kamen mit Jahresbeiträgen hinzu: die Gemeinden Breslau, Dortmund, München, Würzburg, eine ganze Reihe von Logen des Ordens Bne Brith, von Vereinen z. B. der Verein der Rogasener. In Frankfurt a. M. und Leipzig wurden Ortskomitees gegründet. Die persönliche Agitation war im Berichtsjahr fast ausschließlich auf die Mitglieder des Vorstandes und die Generalsekretäre eingestellt, von denen Herr Rechtsanwalt Brasch nach Niederlegung des Amts in ausgezeichneter Weise die Leitung der Arbeiten in den Logen weiterführt. 4. Die Verbindung zwischen den beiden Vorständen war eine sehr enge. Je zwei Herren nahmen fast stets an den gegenseitigen Sitzungen teil, außerdem wurden fast täglich Anregungen und Mitteilungen ausgetauscht. 5. Einen entscheidenden Erfolg hatten unsere Bemühungen um eine Bücherei: wir erwarben die sehr gut ausgebaute Bibliothek des Rabbiners Prof. Dr. Bloch-Posen. Der Munifizenz des Käufers, Geheimrat Landau, gesellte sich auf gleicher Höhe die des Verkäufers : der Kaufpreis soll einmal unverkürzt an die Akademie zurückfallen. Durch den Tod wurden uns unser Ausschußmitglied Rabbiner Prof. Dr. Guttmann, Breslau, und unser Vereinsmitglied Artur Karger, Berlin, entrissen, deren Andenken wir in hohen Ehren halten. Trotz der Ungunst der infolge des Krieges eingetretenen Verhältnisse ist die Entwicklung unseres Vereins eine erfreuliche. Am 31. 12. 18 zählten wir 5 Mitglieder, 10 Förderer, am 31. 12. 19: 29 Dauermitglieder und Stifter, 32 jährliche Mitglieder, 16 Förderer, für das neue Jahr liegen über 60 Neuanmeldungen vor. Das Vermögen des Vereins betrug am 31. 12. 18: 38 010,95 M., am 31. 12. 19 hatte es sich mehr als verzwölffacht. Die Bilanz per 31. 12. 19 bietet das in der Anlage enthaltene Bild. Da die Durchführung unseres wissenschaftlichen Programms schon im kommenden Jahre erheblich höhere Mittel erfordert, und da weiter nach § 13, 7 des neuen Reichseinkommensteuergesetzes Beiträge zu kulturfördernden und gemeinnützigen Vereinigungen, soweit ihr Gesamtbetrag 10 v. H. des Einkommens des Einkommensteuerpflichtigen nicht überschreitet, vom Gesamtbetrage der Einkünfte in Abzug gebracht werden dürfen, so ergeht unser Ruf an unsere in Deutschland lebenden Brüder, aber auch an die im Ausland weilenden: Bringet Opfer für eine Sache, die für die Zukunft der Wissenschaft des Judentums von entscheidender Bedeutung ist!