Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. allen vorhandenen Varianten, sondern müssen uns stets fragen, welche Lesarten die Urhandschriften beider Klassen gehabt haben, und erst wenn diese sich als verschieden herausstellen, mit Hilfe anderer Kriterien eine Entscheidung zu suchen. Wenn wir den Text nach diesem methodischen Grundsatze gestalten, wird er in zahlreichen Fällen erheblich anders lauten als noch in der jüngsten, im übrigen sehr verdienstvollen Ausgabe. Unsere erste Aufgabe muß demnach eine eingehende Untersuchung über die Textüberlieferung des Sifre im allgemeinen sein. Als nächstes liegt uns ob, die in dem Werke vorkommenden Formeln mit größter Vollständigkeit zu sammeln und die Verwendung einer jeden zunächst durch Induktion aus den einzelnen Stellen zu bestimmen. Der Begriff der Formel soll dabei in weitestem Umfange gefaßt werden, so daß ein weit größeres Material als das von Bacher in seine ,,Terminologie" aufgenommene zur Darstellung kommen wird. Dieses Material wird dann, wie bereits ausgeführt, in eine systematische Ordnung gebracht werden, wobei z. T. erst die feineren Funktionsunterschiede heraustreten werden. Bei jeder Formel oder .Formelreihe — denn häufig bilden mehrere stereotyp nacheinander auftretende Formeln das Gerippe eines exegetischen Gedankengangs — werden einige ausführliche Beispiele die Anwendung veranschaulichen, aber auch die übrigen Belege durch Stellenangaben vollzählig nachgewiesen v/erden; denn nur dadurch kann den Bedürfnissen der Quellenkritik Genüge geschehen. Zum Vergleich sollen, doch natürlich ohne Vollständigkeit der Belege, die übrigen halachischen Midraschim herangezogen werden. Vor allem diejenigen aus der Schule des Rabbi Ismael. Hier werden die größeren und kleineren Unterschiede festzustellen und Schlüsse auf die Tätigkeit der Redaktoren zu ziehen sein. Dann soll, zunächst vielleicht nur in großen Linien, das Gemeinsame und das Abweichende der aus anderen Schulen herrührenden Midraschim und auf Grund dessen das Verhältnis der Schulen zu einander in ihren exegetischen Methoden untersucht werden. Endlich wird, soweit es der Rahmen der Arbeit erlaubt, noch auf das Vorkommen der Formeln in den gemischten Midraschim sowie in Mischna, Tosefta und Barajtot einzugehen sein. Es soll jedoch auch die sprachliche Seite des Formelschatzes nicht vernachlässigt werden. Für dessen lexikalische Erklärung hat bereits Bacher in vorzüglicher Weise den Grund gelegt, und seine Aufstellungen werden nur in wenigen Punkten der Ergänzung und Berichtigung bedürfen. Eine andere, nicht minder wichtige und interessante Seite dieser Formelsprache hat jedoch bisher noch gar keine Bearbeitung erfahren, ihre Syntax und Stilistik. Wer die vielen feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Redensarten betrachtet, dem muß sich die Frage aufdrängen, warum das eine Mal der Interpret in der ersten Person als Redender auftritt, das andere Mal in der zweiten Person als Angeredeter, warum einmal das Perfekt gebraucht wird, das andere Mal das präsentische Partizip, warum bald die eine, bald die andere Konjunktion erscheint usw. Es ist nicht Sache des Sprachwissenschaftlers, das letzte Warum dieser Fragen zu beantworten. Seine Aufgabe ist es jedoch, die einzelnen Erscheinungen in ihren richtigen Zu-