Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 33 Gegenstande der Untersuchung zu machen. Unser Weg ist hier entgegengesetzt demjenigen unserer vorher besprochenen Studie. Wo die sprachgeschichtliche Betrachtungsweise im Vordergrunde steht und es sich um die allmähliche, nur teilweise bewußte Weiterentwicklung eines älteren Sprachgebrauchs handelt, da wäre es ganz verkehrt, von den Begriffsinhalten auszugehen, weil die mannigfaltigen, durch leise Übergänge verbundenen Bedeutungen der einzelnen Ausdrücke damit gewaltsam getrennt würden. Anders aber verhält es sich, wenn es gilt, die Terminologie eines einzelnen Werkes ins Auge zu fassen. Im Wesen einer Terminologie liegt es, daß ein jeder Ausdruck in der Regel nur in einem Sinne verwandt wird, und daß der Wert eines jeden am klarsten in seiner Abgrenzung gegenüber anderen Ausdrücken sich offenbart. Darum ist hier die Methode des Gegenüberstellens und Vergleichens angebracht. Freilich muß auch der entgegengesetzte Gesichtspunkt zur Geltung kommen: die weniger häufigen, aber für die historische Betrachtung sehr wichtigen Fälle von verschiedenartiger Verwendung der gleichen Formeln müssen ebenfalls klar ersichtlich werden, und zwar soll das in einem Register geschehen, das sämtliche Formeln in alphabetischer Reihenfolge aufführen wird. Als Grundlage einer solchen Arbeit konnte nur ein Text in Betracht kommen, für den möglichst gute kritische Hilfsmittel zu Gebote stehen. Während mehrere Midraschim überhaupt nicht selbständig erhalten, sondern nur in größeren Sammelwerken zerstreut sind, liegt von den verbreiteten Midraschwerken, für welche die Quellen reichlicher fließen, erst eines in einer als Basis geeigneten kritischen Edition vor, Sifre zu Numeri. Diese Ausgabe, von S. Horovitz mit größter Sorgfalt und Hingabe besorgt, bietet zum ersten Male den Text eines tannaitischen Midrasch mit einem umfangreichen und gewissenhaft gearbeiteten Variantenapparat. Dem Sifre zu Numeri soll daher das Material entnommen werden, das unserer Untersuchung zum Ausgangspunkt dienen wird. Unsere Arbeit läßt sich jedoch nicht durchführen, ohne daß der Text des Sifre noch einmal einer gründlichen Prüfung unterzogen wird. Der Herausgeber hat seiner Edition im allgemeinen die erste Druckausgabe zugrunde gelegt, deren handschriftliche Vorlage verschollen ist; nur von Fall zu Fall ist er davon abgewichen, wo eine andere Lesart ihm entschieden den Vorrang zu verdienen schien. Durch dieses Verfahren entsteht aber ein falsches Bild. Die Erstausgabe enthält,abgesehen davon, daß sie keineswegs der beste der vorhandenen Texteszeugen ist, eine große Zahl von Lesarten, welche, isoliert betrachtet, denjenigen anderer Zeugen gleichwertig erscheinen, gleichwohl aber zweifellos nicht ursprünglich sind. Für diese Fälle können wir Kriterien gewinnen durch sorgfältige Untersuchung des Verhältnisses der Textzeugen zueinander, Beobachtung der Eigentümlichkeiten eines jeden von ihnen usw. Die in der Ausgabe hauptsächlich verwerteten Texte zerfallen in zwei Klassen, deren eine durch zwei größere Midraschsammlungen gebildet wird, welche den Sifre fast vollständig aufgenommen haben, die andere durch den Erstdruck und zwei Handschriften, von denen eine wieder dem Druck besonders nahe steht. Bei dieser Sachlage, die sich durch Einwirkungen der beiden Klassen aufeinander allerdings etwas kompliziert, haben wir nicht mehr die Wahl zwischen