Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik. 35 sammenhang zu stellen, die Regel in dem Gewirr scheinbar zufälliger Ausdrucksformen zu finden und so dem Psychologen ein bereits geordnetes Material zu liefern, der seinerseits diese Erscheinungen wieder in einen allgemeineren Zusammenhang zu bringen hat. Diese sprachlichen Studien werden zunächst dem Formelschatz des Sifre gelten; sie sollen aber später zu einer umfassenden Untersuchung über die Syntax und den Stil des Werkes erweitert werden. DieZiele, die sich unsere zweite Arbeit steckt, seien noch einmal kurz zusammengefaßt. Sie will zunächst zur Herstellung eines guten Textes für ein altes Midraschwerk beitragen; sie will sein sachliches und sprachliches Verständnis fördern; sie v/ill endlich für die Erforschung der historischen Entwicklung der talmudischen Schriften ein geeignetes Hilfsmittel liefern. Noch eins darf jedoch nicht vergessen werden. Die systematische Form unserer Darstellung wird ein System des midraschischen Denkens zum Ausdruck bringen, eine ältere Entwicklungsstufe jener Denkmethode, welche im babylonischen Talmud und der daran anknüpfenden mittelalterlichen Literatur ihre höchste, konsequenteste und zugleich einseitigste Ausbildung gefunden hat. Diese Denkmethode wirkt noch in unserer heutigen jüdischen Generation aufs tiefste nach; sie in ihrem Wesen und Werden erkennen heißt darum für uns, einen Blick in unser eigenes Wesen und Gewordensein tun. Alle geschichtliche Wissenschaft mündet in der Selbsterkenntnis. Unser Versuch soll unter diesem Gesichtswinkel den sinnenden Blick in einer bestimmt begrenzten Entwicklungslinie bis zu unserer Gegenwart führen. Chronik. Die innere Entwicklung des Akademiegedankens ist in drei Veröffentlichungen enthalten: Franz Rosenzweigs inaugurierender Schrift: „Zeit ist's. Gedanken über das jüdische Bildungsproblem des Augenblicks. An Hermann Cohen" (Sonderabdruck aus den Neuen Jüdischen Monatsheften, i. Aufl. 1917, 2. Aufl. 1918), Hermann Cohens Antwort: „Zur Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums" (Neue Jüdische Monatshefte 10. 3. 1918) und Eugen Täublers: „Arbeitsplan und Organisation eines Forschungsinstituts für die Wissenschaft des Judentums." Seit Ende 1917 vereinigte Cohen einen kleinen Kreis von Freunden des Akademiegedankens um sich. Aus diesem Kreise gingen nach Cohens Tod (April 1918) der erste Statutenentwurf und ein Permanenzausschuß hervor, der aus den Herren San.-Rat Dr. Bradt, Rabbiner Dr. Hildesheimer, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Landau, Justizrat Lilienthal und I. Schocken-Zwickau bestand. Durch Kooptation kamen allmählich hinzu die Herren Univ.-Professoren Dr. Cassirer und Dr. Dessau, Prof. Dr. Elbogen von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Direktor der Nationalbank Goldschmidt, Univ.-Prof. Dr. Mittwoch, Fabrikbesitzer Pariser und Privatdozent Dr. Täubler. Bei allen Umgestaltungen, die der Organisationsplan der Akademie im Laufe der Beratungen erfuhr, wurde prinzipiell festgehalten, daß die wissenschaftliche Körperschaft und der finanzierende Verein auseinanderzuhalten seien. Die wissenschaftlichen Beratungen kamen im Februar 1919 zu einem gewissen Abschluß: der Organisations- und Arbeitsplan