Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
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32 Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. Ordnung folgen. Wenn die Formeln eines Midraschwerkes nach ihren Verwendungsarten in der Weise zusammengestellt werden, daß die Formeln von gleicher Funktion jedesmal nebeneinander stehen, so ist damit ein wertvolles Hilfsmittel für die Quellenscheidung gegeben. Zwar darf es nicht von vornherein für ausgemacht gelten, daß in der gleichen Quelle für jeden Fall immer nur ein Ausdruck gebraucht worden sei; aber bei einer streng ausgebildeten methodischen Terminologie, wie sie in diesen Werken vorliegt, dürfte das doch die Regel sein, und wo andere Beobachtungen zu der Feststellung verschiedenen Formelgebrauchs hinzutreten oder mehrere Beobachtungen dieser Art sich vereinigen, werden sichere Schlüsse möglich sein. Sind einmal solche Ausgangspunkte gefunden, so ist aus einer sachlich geordneten Materialsammlung auch leicht zu erkennen, welche Auslegungsmethoden der einen Quelle eigentümlich, der anderen noch fremd sind. So wird es dem Quellenforscher erleichtert werden, von den allgemeinen Begriffen ,,Schule Akibas", ,,Schule Ismaels" usw. zu konkreteren Größen aufzusteigen und die allmähliche Entwicklung der uns überlieferten Werke zu überschauen. Aber auch für das Verständnis der Formeln selbst ist es von großem Gewinn, sie nach sachlichen Gesichtspunkten zu ordnen. Solange wir jede von ihnen einzeln für sich betrachten, vermögen wir ihren Wert oft nur allgemein und ungefähr zu bestimmen. Erst wenn wir die Formeln von annähernd gleichem Gebrauche einander gegenüberstellen und daraufhin genau beobachten, welche feinen Unterschiede in ihrer Verwendung stattfinden, können wir den Bereich einer jeden genau umschreiben und abgrenzen. Wie wichtig eine solche Synonymik der exegetischen Formelsprache ist, läßt sich daraus ersehen, daß auch Bacher gerade in einigen seiner wertvollsten Bemerkungen den Rahmen seines als Wörterbuch angelegten Werkes überschreiten und sich der vergleichenden Methode bedienen mußte. Eine Stoff Zusammenstellung nach systematischen Prinzipien wird endlich auch für die Textkritik von erheblichem Werte sein. Schon in den Handschriften und alten Ausgaben, auf welche sich die kritischen Editionen von Midraschwerken stützen, finden sich gerade in den exegetischen Formeln häufig verschiedene Lesarten, zwischen denen wir uns entscheiden müssen. Das können wir in methodisch zureichender Weise nur, wenn wir vorher untersucht haben, welche Formeln das fragliche Werk in gleichen Fällen sonst anwendet. Nicht selten ist die Verderbnis auch schon älter als die Handschrift, aus welcher alle unsere Texte geflossen sind; auch in solchen Fällen wird uns ein systematisch geordnetes Verzeichnis der Formeln in den Stand setzen, die richtige Lesart wiederherzustellen. Es kann jedoch für die Textkritik noch darüber hinaus von Nutzen sein. Die Texte der erhaltenen Midraschwerke sind von altersher durch zahlreiche Lücken entstellt, die größtenteils auf Homoioteleuta beruhen. Durch Vergleichung von analogen Gedankenreihen an Hand des Formelschatzes gelingt es aber oft, diese Lücken zunächst aufzudecken und dann den Zusammenhang zu rekonstruieren. Alle diese Vorteile lassen den Versuch gerechtfertigt erscheinen, den gesamten Formelschatz eines tannaitischen Midraschwerkes einmal in Form einer methodilogischen Übersicht zur Darstellung zu bringen und auf dieser Grundlage zum