Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 31 Formeln den Grund gelegt hatte, hat W. Bacher in einer umfassenden Arbeit „Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung" das gesamte Material aus dem tannaitischen Schrifttum in Form eines Wörterbuches darzustellen unternommen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Schulen in der Regel berücksichtigt, aber häufig nur Belege aus einzelnen Werken gegeben ohne Angabe, ob sich der Ausdruck auch sonst findet. Überhaupt wird für wissenschaftliche Zwecke die Brauchbarkeit dieses ausgezeichneten Werkes, das ebenso für das etymologische wie für das inhaltliche Verständnis der exegetischen Kunstsprache das wertvollste Hilfsmittel bleiben wird, dadurch etwas vermindert, daß es einen zu umfangreichen Stoff auf einmal verarbeitet. Aus diesem Grunde erlaubte der enge Raum auch oft nicht, die Funktion einer jeden Redensart im einzelnen genau zu umschreiben. Wieviel die Darstellung des Stoffes gewinnen kann, wenn sich die Untersuchung auf ein einzelnes Werk beschränkt, zeigt schon die Behandlung der exegetischen Formeln innerhalb des gediegenen „Wörterbuchs zur Mechilta des Rabbi Ismael" von M. Auerbach, das nicht über den Buchstaben Alef hinausgeführt ist, aber fortgesetzt zu werden in hohem Maße verdient. Beide Arbeiten haben das Gemeinsame, daß sie den Formelschatz ihres Stoffes in Wörterbuchform darbieten. Das ist auch die gegebene und sprachwissenschaftlich sogar allein berechtigte Form, sofern das wesentlichste Ziel ist, das Wortverständnis dieser Ausdrücke auf etymologischer oder bedeutungsgeschichtlicher Grundlage zu ermöglichen. Lexikalisch geordnete Übersichten über den Sprachgebrauch der einzelnen Schulen auf Grund der einheitlicheren Werke geben auch Anhaltspunkte, um andere Werke oder Teile von ihnen der einen oder anderen Schule zuzuweisen. Für die innere Kritik der Werke der ersten Art sowie für kompliziertere Verhältnisse in anderen Schriften reicht jedoch eine Zusammenstellung des Materials in dieser Form nicht hin. Jene Werke, die wir eben als die einheitlicheren bezeichneten, sind dies nur insofern, als sie im allgemeinen nur solche Schriftdeutungen aufnehmen, welche dem Geist ihrer Schule nicht widersprechen. Der Stoff aber, den sie enthalten, ist die Frucht der exegetischen Arbeit mehrerer Generationen und verschiedener Richtungen. Er ist in diesen Werken auch nicht etwa zum ersten Male schriftlich fixiert, sondern es läßt sich an manchen Stellen deutlich beobachten, wie ältere Quellen ausgeschrieben, z. T. auch mehrere miteinander verbunden sind. Es ist zu erwarten, daß diese Zusammensetzung auch in den exegetischen und den übrigen Formeln zum Ausdruck kommen wird, wenngleich die Hand der Redaktoren gerade hier kräftig eingegriffen haben mag. Auslegungen aus verschiedenartigen Quellen können sich formal in zweierlei Weise unterscheiden. Entweder durch Verschiedenheiten in der Methode: die eine Quelle interpretiert nach Prinzipien, welche der anderen fremd sind. Oder durch Verschiedenheiten des Ausdrucks: die Auslegung der einen Quelle könnte dem Prinzip nach ebensogut in der anderen stehen; aber jede der beiden wendet ihr eigentümliche Formeln an. Soll der Quellenkritik für beide Fälle, vornehmlich aber für den letzten, in einer terminologischen Studie ein brauchbares Instrument geliefert werden, so muß diese Arbeit statt der lexikalischen einer sachlichen An-