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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 25

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 25 Bedeutung nur dann beilegen, wenn sie sich auch ohne Vergleichung des Urtextes aus dem Zusammenhange erkennen läßt. Läßt das Wort im Hebräischen aber innerhalb seines Zusammenhanges mehrere Auffassungen zu, so dürfen wir das Arabische zu Rate ziehen, um den beabsichtigten Sinn mit Sicherheit festzustellen. Schon um dieses Nutzens willen ist es notwendig, das Original des „Kitab al — Hidaja", welches uns jetzt in einer vorzüglichen Ausgabe vorliegt, ständig zu vergleichen. Jene Vergleichung ist aber noch in anderer Hinsicht für uns überaus wertvoll. Sie führt uns gleichsam in die Werkstatt des Übersetzers und damit der arabisch beeinflußten hebräischen Sprache überhaupt. Neben der Belehrung über die Frage, was der Übersetzer hat ausdrücken wollen, erfahren wir aus dem Urtext auch in unzähligen Fällen, warum er sich gerade so und nicht anders ausgedrückt hat. Die Umgestaltung, welche der hebräische Stil in seiner Feder unter der Einwirkung des Arabischen erfahren hat, indem teils arabische Ausdrucksformen übernommen oder nachgebildet sind, teils der Inhalt hebräischer Ausdrucksformen oder der Umfang ihrer Verwendung durch solche der Schwestersprache bestimmt ist, läßt sich an der Hand des Originals im einzelnen genau nachweisen. Unsere Untersuchung ist, wie aus der gewählten Begrenzung hervorgeht, zwar nicht dem Einfluß des Arabischen auf den Stil Jehudas speziell gewidmet, wird aber diesen als den eigentlich treibenden Faktor in der Sprachentwicklung, welche mit Tibbons Übersetzung beginnt, besonders eingehend zu würdigen haben. Wie weit dieser Einfluß reicht und v/elcher Platz ihm im Ganzen der Sprachentwicklung zukommt, wird sich am klarsten dann herausstellen, wenn er nicht isoliert, sondern im Zusammenhange mit den übrigen sprachlichen Komponenten und in ständiger Abwägung gegen jene betrachtet wird. Sorgfältige Interpretation des hebräischen Textes und ständige Vergleichung des arabischen Originals sollen die Grundlage unserer Arbeit bilden; genaue Feststellung des Sprachbestandes innerhalb der gesteckten Grenzen ist unser nächstes Ziel. Die verschiedenen Begriffsschattierungeiv, in denen sich Wörter und Redensarten bei Tibbon angewandt finden, sollen in möglichster Vollständigkeit verzeichnet und präzise umschrieben werden. Hierbei müssen wir jedoch mit einiger Vorsicht zu Werke gehen. Wenn wir in dem Wortschatze eines philosophischen Werkes haarscharfe Begriffsscheidungen vornehmen, die der Verfasser selbst nicht andeutet, so ist das wohl ein vorzügliches Mittel, um uns über seinen philosophischen Gehalt klar zu werden. Aber unvermeidlich werden wir dabei Unterschiede konstruieren, welche dem Autor selbst nicht mit gleicher Schärfe zum Bewußtsein kamen; unser Unternehmen wird also gleichzeitig ein Versuch sein, über den Denker selbst hinauszukommen, nicht nur ein Mittel zum Verständnis, sondern auch ein Werkzeug der Kriti k. Eine so gerichtete Terminologie ist mithin Sache des Philosophen, nicht des Sprachforschers, welcher das Gegebene nur festzustellen und zu erklären, jedoch nicht zu beurteilen hat. Gilt das schon von präzise abgefaßten Lehrschriften bedeutender Denker, so noch mehr von einem popularphilosophischen Werke, dessen Autor ausdrücklich auf syllogistische Strenge Verzicht leistet; am allerwenigsten aber darf der Maß-

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