Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
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24 Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. eine Epoche jüdischer Geistesgeschichte. Gleichsam als Exponenten dieser geistesgeschichtlichen Umwälzung in ihrem sprachlichen Niederschlag dürfen einerseits lexikalisch die Wörter und Redensarten des Denkens und des mündlichen oder schriftlichen Gedankenausdrucks betrachtet werden, andererseits grammatisch die Formen und Hilfsmittel der Satzverbindung, in welchen der Zusammenhang des Denkens zutage tritt. Die Entwicklung der Bedeutung bei den einen, der Funktion bei den andern soll daher zunächst den Gegenstand der Untersuchung bilden. Innerhalb dieser Umgrenzung soll das Alte und Alltägliche im Sprachgebrauch Jehuda ibn Tibbons die gleiche Berücksichtigung finden wie das Neue und Auffallende, so daß wir in einem Querschnitt alle Schichten des von ihm angewandten Idioms kennen lernen. Im folgenden sei die Art der Ausführung unserer Aufgabe kurz skizziert. Dabei beschränken wir uns der Einfachheit halber auf den lexikalischen Teil der Arbeit; von den syntaktischen Studien gilt im ganzen Entsprechendes, zumal auch die Mannigfaltigkeit der Satzverknüpfung sich größtenteils durch die Unterschiede im Gebrauch der Konjunktionen und verwandter adverbialer Ausdrücke darstellen läßt. Eine Untersuchung, welche sich mit den feineren Bedeutungsunterschieden im Wortschatz eines Werkes beschäftigt, setzt natürlich ein volles inhaltliches Verständnis im einzelnen voraus. Sie muß daher auf sorgfältigster Interpretation aller in Betracht kommenden Stellen beruhen. Unser Gegenstand ist die hebräische Übersetzung eines arabisch verfaßten Werkes. Wir haben daher nur diese Übersetzung zu interpretieren und müssen uns hüten, unsere Auffassung des Originals ohne weiteres dem Übersetzer unterzulegen. Wohl aber dürfen und müssen wir uns des Originals bedienen, um uns eine Vorstellung davon zu verschaffen, was er ausdrücken wollte, welchen Sinn er selbst seinen eigenen Worten untergelegt zu wissen wünschte. Diese Frage ist nicht immer so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Auffassung des Übersetzers von einer Stelle des Urtextes ist keineswegs stets identisch mit demjenigen, was er in seiner Übertragung zum Ausdruck bringt. Selbst bei vollkommenstem Verständnis des Inhalts einer Stelle sieht er sich oft gezwungen, den Gedanken nur annähernd und ungenau wiederzugeben, weil er in seiner Sprache keinen völlig entsprechenden Ausdruck findet. Ein anderes Mal wäre eine völlig genaue Wiedergabe wohl möglich, aber ein stilistisch besserer Ausdruck von verwandter Bedeutung, der gerade zur Verfügung steht, verleitet zu einer Abweichung in der Schattierung. Dieses Moment darf auch bei so gewissenhaften Dolmetschen, wie es die Tibboniden waren, nicht ganz außer acht gelassen werden. In beiden Fällen wäre es verkehrt, die Nuance des Originals auch in der Übertragung zu suchen. Daher muß für unseren Zweck die hebräische Übersetzung zunächst aus sich heraus interpretiert werden, in gleicher Weise wie ein Originalwerk; der arabische Urtext hat nur als Korrektiv zu dienen, um in Zweifelsfällen zwischen den verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden. Finden wir beispielsweise im Original einen speziellen Terminus, in der Übersetzung einen allgemeineren Ausdruck, so dürfen wir diesem die speziellere