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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 23

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707514--026-2707588
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 23 sich eines flüssigeren und leichter verständlichen Stiles bedient und in einzelnen Fällen auch die Arbeiten der Tibboniden zu ersetzen gesucht. Es ist aber bezeichnend für den Geist der damaligen hebräischen Gelehrtenwelt, daß kaum eine dieser Konkurrenz-Übersetzungen die schwierigeren, aber mit dem Nimbus größerer Treue umgebenen tibbonidischen Übertragungen zu verdrängen vermocht hat. Wir kehren zu der uns vorgezeichneten Aufgabe zurück. Die sprachgeschichtliche Erforschung des hebräischen philosophischen Stils muß bei Jehuda ibn Tibbons Übertragung der „ Herzenspflichten'' einsetzen, obwohl diese an unmittelbarer Bedeutung für das spätere Schrifttum der Morehübersetzung des Sohnes nicht gleichkommt, weil die letztere in allem Wesentlichen auf den durch jene geschaffenen Grundlagen beruht und nur aus ihr historisch zu begreifen ist. Für das sprachgeschichtliche Gesamtwerk wird eine — in den Grenzen des Erreichbaren — erschöpfende Darstellung sämtlicher sprachlichen Erscheinungen der tibbonidischen Übersetzung zu liefern sein. Sie soll nicht nur dasjenige umfassen, was Tibbon eigentümlich ist, d. h. seine Neuschöpfungen und seine übrigen Abweichungen von dem bis dahin üblichen Sprachgebrauch, sondern auch dasjenige berücksichtigen, was er aus der älteren Literatur übernommen hat, sei es in ganz gleicher oder in leise veränderter Verwendung. Denn wer nur die Besonderheiten im Stil eines Werkes beachtet, erhält nur ein einseitiges und unvollkommenes Bild von dessen sprachlichem Charakter, noch viel weniger aber vermag er seine Stellung in der Geschichte der Sprache zu bestimmen. Sprachliche Entwicklung ist ja nicht nur ein Prozeß des Wachstums durch Erzeugung neuer oder Absorption fremder Stoffe, sondern auch ein Prozeß innerer Umsetzung durch langsame, aber stetig fortschreitende Verarbeitung der bereits vorhandenen Bestandteile und ein Prozeß der Einschränkung durch Ausscheiden des jeweils Unbrauchbaren und Überflüssigen. Daher ist es ebenso wichtig, das sich Erhaltende im Sprachorganismus zu verfolgen, auf welches erst durch Beobachtung des Untergehenden das rechte Licht fällt, wie das neu Hinzutretende. Die Tibboniden haben auf die folgende Literatur bis auf das modernste Hebräisch nicht minder als durch ihre Neuschöpfungen auch durch die Auswahl gewirkt, welche sie unter dem überkommenen Sprachmaterial getroffen haben, z. B. durch die verschiedene Berücksichtigung des biblischen und des talmudischen Wort- und Phrasenschatzes. Der dargelegte Gesichtspunkt soll auch in der ersten Veröffentlichung des Forschungsinstituts auf diesem Gebiete zum Ausdruck kommen, welche noch nicht die vollständige Darstellung der Sprache unseres Werkes, sondern vorerst ein Muster der angewandten Arbeitsmethode enthalten wird. Aus der Gesamtheit der sprachlichen Erscheinungen sind zwei Gruppen herausgegriffen worden, in welchen die Entwicklung gerade in dieser Epoche markant ihren Ausdruck findet. Mit den tibbonidischen Übersetzungen treten ein neuer Ideengehalt und damit zugleich neue Denkformen zum ersten Male in einem dauerhaften Guß in die hebräische Literatur ein, der Gehalt und die Formen des streng wissenschaftlichen, an den Griechen geschulten Denkens in der eigentümlichen Prägung der Araber. Die sprachgeschichtliche Epoche, welche die erste Tibbonidenübersetzung inauguriert, ist zugleich

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