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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 21

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707514--024-2707586
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 21 So trat eine neue Gedankenwelt, herausgelöst aus dem Kulturkreise, in dem sie sich geformt hatte, in den Gesichtskreis größerer Teile der Judenheit. Freilich waren jene Gedanken auch in der islamischen Welt, aus der sie die Juden übernahmen, großenteils nicht heimisch. In der Philosophie und Religionsphilosophie der Araber lassen sich nach Herkunft und Methode zwei große Richtungen unterscheiden. Die eine speist sich ganz aus den erhaltenen Werken der peripatetischen und neuplatonischen Philosophie, deren Systeme sie teilweise miteinander verschmilzt und mit den Glaubenswahrheiten des Islam in Einklang zu bringen sich müht; die andere, in zahlreiche, sich hart bekämpfende Schulen gespalten, ist im wesentlichen aus der Reflexion über die widerspruchsvolle Dogmatik des Korans erwachsen, entlehnt ihr — meist a.tomistisches — Weltbild aber, wie es scheint, vorwiegend indischen Systemen. In der jüdischen Religionsphilosophie kommen beide Strömungen zur Geltung; während aber im Islam stets die zweite die Oberhand behalten hat, tritt sie in den Systemen der jüdischen Denker, abgesehen von den Karäern, nirgends unvermischt auf und verliert in demselben Maße an Bedeutung, wie die aristotelischen Schriften immer allgemeiner zur Grundlage der gesamten Bildung werden, durch arabische Übersetzungen und Bearbeitungen vermittelt, welche größtenteils wieder auf syrische Übertragungen zurückgehen. So hatten die Gedanken und Probleme, welche durch die hebräischen Übersetzer aus der arabischen oder wenigstens arabisch-jüdischen Sphäre in die allgemein-jüdische verpflanzt wurden, vielfach bereits einen weiten Weg hinter sich. Eine weitgehende Umgestaltung dieser Gedanken und Probleme konnte dabei nicht ausbleiben. Wenn ein komplizierterer Gedanke schon bei der Übertragung von Individuum zu Individuum innerhalb derselben Sprach- und Kultur gemeinschaft, selbst bei relativ kongenialen Personen, sich leise zu verändern pflegt, so gilt das in noch viel höherem Grade von der Verpflanzung eines Gedankensystems in eine andere Gemeinschaft, welche durch ihre verschiedene Eigenart und den verschiedenen Verlauf ihrer bisherigen Geistesgeschichte ganz anders für dessen Aufnahme disponiert ist. Diese natürliche und kulturgeschichtliche Disposition substanziiert, verkörpert sich in dem Fachwerk der Sprache. Ein neu auftretender Gedanke, der in keines der vorhandenen Fächer genau hineinpaßt, sucht wohl das Fachwerk nach seinem Bedürfnis umztimodeln, indem er die Fächer erweitert oder verengert oder auch vermehrt. Nicht selten aber sieht sich auch der Gedanke genötigt, sich dem Fachwerk anzubequemen, sich einzuschränken oder zu verflüchtigen oder seine Gestalt zu ändern. So besteht eine ständige Wechselwirkung zwischen Gedanke und Wort. Daher kann, wie Sprachgeschichte nicht ohne Berücksichtigung der Kulturgeschichte sich treiben läßt, ebenso die Entwicklung von Gedanken und Problemen nicht auf historischem Wege begriffen werden, ohne daß man auch die Geschichte der sprachlichen Ausdrucksformen verfolgt. Das trifft in erhöhtem Maße zu auf jene Gedankenkomplexe, die, griechischem Geiste entsprungen, durch syrische und arabische Interpreten hindurch in die hebräische Kultur eingedrungen sind. Diese Gedankenkomplexe waren in der hebräischen Literatur etwas durchaus Fremdartiges und Neues, wenngleich sie

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