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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 20

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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IRI
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20 Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. selbst, müssen ihrem Wesen nach dem Scharfsinn einzelner Forscher überlassen bleiben, soweit sie nicht eben für die Erkenntnis der folgenden Entwicklung von Bedeutung sind. Es ist jedoch für den Gang der Forschungsarbeit auch nicht notwendig, mit dem ältesten Literaturwerk zu beginnen, um von da aus absteigend in chronologischer Folge sämtliche übrigen Werke der Reihe nach zu untersuchen. Gerade für die hebräische Sprachgeschichte ist dies auch untunlich; denn die Chronologie der biblischen Schriften ist noch heute so heiß umstritten, daß es an einem sicheren Ausgangspunkt fehlt. Für den planmäßigen Aufbau des Forschungswerkes ist es ratsamer, an Stellen einzusetzen, wo wir festen Boden unter den Füßen haben, und die hier gewonnenen methodischen Erfahrungen später bei der Bearbeitung komplizierterer Stoffe zu verwerten, statt von vornherein auf hypothetischer Grundlage zu bauen. Die sprachgeschichtliche Entwicklung läßt sich am besten überschauen und festhalten an Wendepunkten, wo eine neue sprachliche Epoche beginnt und sich in einem bestimmten Literaturwerke zuerst manifestiert oder sogar durch dieses geschaffen wird. Einen solchen Markstein in der hebräischen Sprachgeschichte bildet wie wenige andere das erste Werk in der Reihe der tibbonidischen Übersetzungen religionsphilosophischer Werke aus dem Arabischen, welche für den Stil streng wissenschaftlich gehaltener Abhandlungen in hebräischer Sprache auf Jahrhunderte hinaus die Formen schufen. Das Judentum hat eine völlig selbständige Philosophie niemals hervorgebracht. Jedoch überall, wo Juden in den Bannkreis einer fremden Kultur gezogen wurden, welche eine ausgebildete philosophische Spekulation mit einschloß, machten sie sich diese eifrig zu eigen, indem sie ihr den eigenen geistigen Stempel aufdrückten; meist sahen sie sich auch genötigt, sich mit ihr auseinanderzusetzen, die ererbten Anschauungen gegen die aus der neuen Denkweise quillenden Einwände zu verteidigen, soweit sich das Alte nicht dem Neuen ungezwungen oder mit einiger Gewalt anpassen ließ. Es war nur natürlich, daß die so entstehenden Werke in der gleichen Sprache abgefaßt waren wie jene Schöpfungen, auf die ihre Verfasser reagierten und unter deren Einfluß sie standen, in der gleichen, in der sie philosophisch zu denken gewohnt waren, sie wie auch die Leser, an die sie zunächst dachten, sei es die gebildete Welt ihres Landes überhaupt, sei es ihre gleich ihnen in der fremden Kultur herangebildeten Volksgenossen, deren alter Glaube von den gleichen Erschütterungen bedroht war. So kommt es, daß Philon seine philosophischen Werke griechisch schrieb, Saadja und Maimuni die ihren arabisch, Spinoza lateinisch, Mendelssohn deutsch. Unter diesen in fremder Sprache verfaßten Werken konnten aber nur diejenigen zum Eigentum der Gesamtjudenheit und zum wirksamen Faktor in ihrem Geistesleben werden, welchen eine Übersetzung ins Hebräische zuteil wurde. Das gilt, wenn wir hier von Mendelssohns Schriften absehen, wesentlich nur von der arabisch geschriebenen religionsphilosophischen Literatur, für welche durch von Spanien ausgewanderte Gelehrte bald auch bei den geistig regsamen Juden der Länder nichtarabischer Zunge Interesse erweckt wurde.

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