Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
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Einführung in sprachliche Untersuchungen zur hebräischen Übersetzung. 19 Einführungin sprachlichellntersudiungen zur hebräisdien Übersetzung von Baehjas »Herzenspflichten« und zum Sifre zu Numeri. Von Dr. Dawid Hartwig Baneth. I. Im Rahmen des Forschungsinstituts für die Wissenschaft des Judentums'' fallen der sprachwissenschaftlichen Sektion Aufgaben von zweierlei Art zu. Einmal solche, welche ihr eigentümlich sind und die Erforschung der Sprache als eines bedeutsamen Kulturfaktors zum Selbstzweck haben. Andererseits Aufgaben, in welchen die Linguistik die Rolle einer Hilfswissenschaft für andere Wissensgebiete spielt und ihnen dienend zur Seite treten muß. Beide Arten fließen jedoch oft zusammen und stellen sich als zwei Seiten eines und desselben wissenschaftlichen Schaffens dar. Um mit dem Letztgenannten zu beginnen: Alle historischen Wissenschaften bauen sich wesentlich auf der Interpretation von aus älterer Zeit überlieferten Texten auf. Eine Quelle kann aber sachlich nicht mit der erforderlichen Sicherheit bis ins Feinste interpretiert werden, solange nicht ihr Sprachgebrauch bis in alle Einzelheiten erschlossen ist. Diese notwendige Vorarbeit soll die sprachwissenschaftliche Abteilung des Forschungsinstituts für die übrigen Sektionen leisten. Die hervorragendste Aufgabe, welche in das eigene Gebiet der sprachwissenschaftlichen Sektion fällt, ist die systematische Erforschung der Geschichte der hebräischen Sprache. Diese Aufgabe, welche die planmäßige allmähliche Aufarbeitung des gesamten in der hebräischen Literatur niedergelegten sprachlichen Materials erheischt, läßt sich durch die gesonderten Bemühungen selbst vieler einzelner Gelehrter nicht in befriedigender Weise lösen, sondern bedarf in hohem Maße organisierter Arbeit. Gerade der ,,Thesaurus totius Hebraitatis" des Elieser Ben-Jehuda, das bewunderungswürdige Lebenswerk eines einzigen rastlos arbeitenden Forschers, legt Zeugnis davon ab, daß Aufgaben solcher Art die Kräfte des Einzelnen, sei er auch noch so hoch befähigt, übersteigen, wenigstens soweit es sich nicht nur um die Befriedigung praktischer Bedürfnisse, sondern um eine Grundlegung für die historische Wissenschaft handelt. Eine planmäßig organisierte sprachgeschichtliche Forschung wird erst im Laufe von Generationen das gesamte erreichbare Material zu umspannen suchen, das große Werk aber, das ihr als Ziel vorschwebt, allmählich aus sorgfältigsten Bearbeitungen beschränkter Teile aufbauen, sie wird ein Glied nach dem andern solide und abgerundet fertigen, bis sich alle zusammen zur Kette fügen. Es wird zunächst stets dem Sprachgebrauch des einzelnen Literaturwerks oder des einzelnen Schriftstellers nachzugehen sein; aneinander gereiht und organisch verknüpft werden solche Arbeiten dann ein Bild ganzer Sprachperioden gewähren. Damit ist bereits gesagt, daß das Forschungsinstitut es grundsätzlich nur mit der Entwicklung der Sprache innerhalb der Grenzen des durch die Schrift auf uns Gekommenen zu tun hat. Höher hinaufreichende Probleme, wie die der Ursprünge des Hebräischen aus dem Ursemitischen oder gar der Entstehung des Ursemitischen