Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
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Das Forschungs-Institut für die Wissenschaft des Judentums. 15 Talmudischen Archiv geschaffen werden muß, das, nicht periodisch sondern nach Bedürfnis erscheinend, den Ertrag der innerhalb des akademischen Körpers geleisteten und der von außen hinzukommenden Arbeiten in sich aufnimmt. In der religionswissenschaftlichen, der philosophischen und der literarhistorischen Sektion können nur durch körperschaftliche Organisation zu lösende Aufgaben nicht in derselben Weise in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Möglichkeit, für die Aufarbeitung bestimmter Stoffgruppen Arbeitsmittel zu organisieren, wird nicht ganz fehlen. Aber sie kann keinen sehr großen Umfang annehmen. Abgesehen von den Beiträgen zur Bibliotheca Judaica werden die Arbeiten dieser Gebiete vielmehr wesentlich am individuell zu behandelnden Problem haften. Soweit Arbeiten dieser Art den Charakter der Forschung bewahren, fallen sie in den Aufgabenkreis der Akademie und finden, soweit sie über den Rahmen einer Zeitschrift hinausgehen, ebenso wie sprachwissenschaftliche und historische Arbeiten ihre Stelle in einer fortlaufenden Reihe von Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums. Die geschichtliche Sektion muß die jüdische Geschichte der Zeit wie dem Umkreis nach als Einheit umfassen. Nach den Verschiedenheiten der sprachlichen und sachlichen Voraussetzungen gliedert sie sich in fünf Abteilungen: je eine für den orientalisch-biblischen, den hellenistisch-römischen, den islamischen, den romanisch-germanischen und den slawischen Kulturkreis. Wenn sich der Ausbau dieser Sektion auch, wie bald gezeigt werden soll, in engeren Grenzen wird halten müssen, so schwillt ihr Arbeitsgebiet doch dadurch ganz unvergleichlich an, daß sie nicht nur mit literarischem Material rechnen kann. Was für die Antike an Münzen, Inschriften, Papyri hinzukommt, ist gering; aber die topographisch-archäologische Palästinaforschung stellt über das Geschichtliche im engeren Sinn und über die literarischen Quellen weit hinausgehende Aufgaben, und für Mittelalter und Neuzeit kommen die erst zum geringsten Teil edierten, unübersehbaren Mengen von Urkunden und Akten hinzu. Schon diese im Stoff liegenden Voraussetzungen machen eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Abteilungen der geschichtlichen Sektion unmöglich. Denn die archivalische Arbeit kann in den einzelnen Ländern nur von Landesangehörigen besorgt werden. In Deutschland tut dies seit zwölf Jahren das Gesamtarchiv der deutschen Juden. Während in den größeren außerdeutschen Staaten bereits bestehende jüdisch-wissenschaftliche Gesellschaften die Arbeitsaufgaben und Arbeitsmethoden des Gesamtarchivs übernehmen könnten, müßte für Spanien und Portugal die Akademie selbst die Aufgabe auf sich nehmen. Sie wird es in finanzieller und ideeller Zusammenarbeit mit außerdeutschen jüdisch-wissenschaftlichen Gesellschaften möglich machen können, daß einige speziell dafür vorgebildete Historiker sich dauernd in Spanien und Portugal dieser Aufgabe widmen. Archivalische Aufgaben stellt auch das Kulturgebiet des Islam. Aber dieser Arbeitsteil wird naturgemäß zunächst zurückgestellt werden müssen. Die Aus-