Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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.12 Das Forschungs-Institut für die Wissenschaft des Judentums. eine philosophische*). Aber es wäre weder richtig, die Sektionen prinzipiell zu vereinzeln, noch überhaupt, mit der Begründung von Sektionen zu beginnen. Die Akademie darf nicht in der Art eines schematischen Fächerbaus gegründet, sondern muß von richtig gewählten Anfängen aus organisch entwickelt werden. Art und Maß der Entwicklung wird durch die materiellen und ideellen Möglichkeiten, durch die Aufgaben und durch die Leistungen bestimmt. Die Akademie stellt sich ausschließlich solche Aufgaben, die einer Arbeitsorganisation bedürfen. Das schließt nicht aus, daß sie auch einzelne Werke anregt oder auf Angebot hin materiell fördert. Sie wird vor allem auf dem Wege des Preisausschreibens den besten Mann für die einzelne Aufgabe finden und über die Erteilung des Preises hinaus die volle Durchführung der Aufgabe ermöglichen können. Aber sie selbst darf sich nicht nur des Umfangs wegen nur solche Aufgaben stellen, die einer Arbeitsorganisation bedürfen, sondern auch wegen des Unterschieds, der innerlich zwischen der individuellen und der von einer Körperschaft ausgehenden Arbeit besteht. Die korporative Arbeit setzt der individuellen Eigenart Schranken. Leistungen, die den Vorzug haben, daß sich in ihnen die wissenschaftliche Persönlichkeit nicht nur in der Klarstellung des Objekts, sondern in ihren Anschauungen offenbart, kann die Akademie nicht mit ihrem Namen decken. Ihre Arbeiten müssen den Maßstab der Richtigkeit im Objekt tragen. Man kann sich der absoluten Richtigkeit mehr oder weniger nähern, einseitige Anschauungen hineinbringen, in der Behandlung des Einzelnen und im Erfassen des Ganzen Fehler machen — die Aufgabe in ihrer ideellen Wirklichkeit bleibt dadurch unberührt; die Tatsächlichkeit, die erstrebt wird, liegt, unbeeinflußt durch das Maß ihrer wissenschaftlichen Verwirklichung, im Objekt. Der Einheit der Wissenschaft vom Judentum in Stoffen, Problemen und Methoden entsprechend, müssen solche Arbeiten im Vordergrund stehen, die für das ganze Gebiet grundlegend sind: die sowohl mit Bezug auf die Stoffe erst die Voraussetzungen weiterer Arbeit schaffen, als auch mit Bezug auf die Methoden der Schulung aller Kräfte, die die Akademie heranzieht, dienen. Die größte und notwendigste Aufgabe, die die Akademie sich stellen kann, ist die Schaffung einer Bibliotheca Judaica. Diese soll in loser Aufeinanderfolge die Texte sämtlicher jüdischen Schriften bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts in Ausgaben enthalten, die dem höchsterreichbaren Maß kritischer Durcharbeitung entsprechen. Die Aufgabe der Akademie soll nicht nur darin bestehen, diese Ausgaben anzuregen und zu finan- *) Einer Anregung folgend, die auf der im Geschäftsbericht erwähnten Frankfurter Tagung gegeben wurde, werden wir die soziologischen Forschungen nicht, wie es ursprünglich beabsichtigt war, im Rahmen der Historischen Sektion belassen, sondern für sie eine eigene Sektion bilden. Diese Sektion soll sich aber aus der historischen entwickeln. Der Anfang dazu ist bereits gemacht, vgl. den Wissenschaftlichen Bericht. — Auch für die topographisch-archäologischen und für die rechtshistorischen Forschungen dürfte sich wohl bald die Notwendigkeit ergeben, sie aus dem Rahmen der Historischen bezw. Talmudischen Sektion herauszuheben und eigene Sektionen für sie zu bilden.