Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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Das Forschungs-Institut für die Wissenschaft des Judentums. Ii pien und Methoden: sie braucht ein Forschungsinstitut mit einem Stab beamteter Mitarbeiter, an den sich außenstehende Mitarbeiter in loser Form anschließen können. Das Forschungsinstitut soll das Arbeitsorgan der Akademie und zugleich der Schöpfer und Bewahrer ihrer wissenschaftlichen Traditionen werden. Sein Arbeitsbereich ist das ganze Gebiet jüdischer Wissenschaft, seine Aufgabe, dieses Gebiet systematisch zu erschließen und durch Arbeiten, die über die Kräfte des Einzelnen hinausgehen und deshalb einer Arbeitsorganisation bedürfen, die Grundlagen für die selbstgewählten Arbeiten anderer herzurichten. In erster Linie für das zunächst allein zu begründende Forschungsinstitut ist der im folgenden enthaltene wissenschaftliche Grundplan bestimmt. Die Zusammensetzung der Mitarbeiter des Forschungsinstituts muß der natürlichen Gliederung der Wissenschaft folgen. Darin liegt zunächst ein scharfer Protest gegen den üblichen Mangel an Scheidung der Disziplinen, der den Vorzug einer einheitlichen Erfassung des ganzen Wissensgebiets völlig entwertet durch den auf allen Gebieten gleichmäßig herrschenden Mangel an Durchdringung durch Probleme und Methoden; er hat es verschuldet, daß die erste Voraussetzung sauberer Arbeit, die Reinigung und Sicherung der Texte, kaum ernstlich zu verwirklichen begonnen wurde. Wie auf allen anderen Wissensgebieten ist auch auf dem jüdischen eine natürliche Gliederung der Gebiete notwendig, bei der die Scheidung der Gebiete auch mit den angeborenen persönlichen Verschiedenheiten des Interesses und der Begabung zusammenfällt. Aus den getrennten Gebieten muß dann aufs neue eine viel tiefer verwurzelte und reinere Anschauung vom Ganzen erwachsen. Diese Einheit des Ganzen erhält ihre methodische Grundlegung durch die Philologie, die sich in der Dreieinheit von Textgestaltung, Interpretation und literarhistorischer Systematik auswirkt. Philologische Schulung und philologische Arbeit ist die gemeinsame Grundlegung der Sonderdisziplinen: der Geschichte, der Philosophie, der Religionswissenschaft und der Sprachwissenschaft. Aber die Philologie geht in den Teildisziplinen nicht auf: außerhalb dieser bleibt die schöngeistige Literatur, die Wissenschafts- und die Gelehrtengeschichte. Außerdem kann sich die Gliederung nicht nur an die fünf Teilgebiete halten, sondern muß gerade innerhalb der Philologie auch die großen Verschiedenheiten der Zeiten, Inhalte und Kulturzusammenhänge berücksichtigen: die Bibel im Zusammenhang mit den altorientalischen Literaturen, die jüdisch-hellenistische Literatur im Zusammenhang mit der klassisch-philologischen und die gesamte talmudische Literatur sind drei vielfach im Zusammenhang stehende, aber im ganzen in sich abgeschlossene, selbständige Gebiete. Nach diesen Voraussetzungen richtet sich der Aufbau der Organisation. Entsprechend den Teilgebieten gliedert sich die Akademie nach Sektionen. Im Prinzip stellt jede für sich abgeteilte Disziplin eine eigene akademische Sektion dar. Das gibt neun Sektionen: eine biblische, eine hellenistisch-römische, eine talmudische, eine historische, eine literarhistorische für Mittelalter und Neuzeit, eine islamische, eine sprachwissenschaftliche, eine religionswissenschaftliche,