Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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10 Das Forschungs-Institut für die Wissenschaft des Judentums. zu charakterisieren versuchen, an ein Goethesches Wort gemahnt. „Ihr sucht die Menschen zu benennen — Und glaubt am Namen sie zu kennen — Wer tiefer sieht, gesteht sich frei — Es ist was Anonymes dabei." Etwas in diesem Sinne Anonymes, etwas durch bloße Namen nicht mehr zu Bezeichnendes bildete auch den Untergrund von Hermann Cohens Persönlichkeit und damit einen Untergrund seiner Lehre. Weil in dem Menschen Cohen geeint war, was sonst auseinanderzufallen pflegt, weil er die höchste Schärfe und Klarheit des Denkens mit der Glut und Leidenschaft des sittlichen und religiösen Gefühls verband — darum konnten auch in seiner Lehre die Idee der Religion und die Idee der Wissenschaft zu einer neuen philosophischen Einheit sich verknüpfen. Das Forschungs ~ Institut für die Wissenschaft des Judentums. Organisation und Arbeitsplan. Von Eugen Täubler. Am Anfang und am Ende gekürzte Wiedergabe eines am 23. Febr. 1919 gehaltenen Vortrags. Der erste Abdruck erschien im Mai 1919 im ersten, vertraulich ausgegebenem Korrespondenzblatt. Der vorliegende Abdruck enthält einige kleine Kürzungen und Ergänzungen. Die Akademie hat die Aufgabe, die Erforschung des Judentums in seinen geschichtlichen, literarischen, religiösen, philosophischen und sprachlichen Äußerungsformen zu fördern. In der üblichen Form ginge sie nicht über einen losen Zusammenschluß von Gelehrten hinaus. Aber auf diese Weise würde sie den besonderen Aufgaben der jüdischen Wissenschaft nicht genügen können. Sie muß sich den gegebenen Notwendigkeiten anpassen. Da die Wissenschaft des Judentums, von wenigen Einzelleistungen abgesehen, nicht vermocht hat, das Durchschnittsniveau der artverwandten Wissenschaften zu erreichen, so muß das Ziel, zunächst einmal zu diesem Durchschnitt und auf seiner Grundlage zu den höheren Leistungen zu gelangen, für das Programm und die Organisationsform der Akademie bestimmend sein. Sie soll die Mittel schaffen, durch die der Aufstieg möglich wird. In der Form eines losen Zusammenschlusses von Gelehrten wäre sie dazu um so weniger fähig, als es nicht einmal möglich ist, einen engeren Kreis akademiereifer Gelehrten an einem Ort zu vereinigen. Der übliche Rahmen ordentlicher und korrespondierender Mitglieder soll allerdings geschaffen werden, wenn sich auch nur sehr allmählich Glied an Glied fügen lassen wird. Aber die Akademie braucht für ihre besonderen Aufgaben einen ständigen Träger ihrer Pläne, ihrer Prinzi-