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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. Seite 9

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Hermann Cohen. 9 ihm die Vollendung der Religion des Judentums dar. Denn in ihnen sah er auch den letzten Rest der mythischen Auffassung überwunden; in ihnen sah er die Existenz Gottes zur Idee Gottes erweitert, d. h. zum Bewußtsein einer ewigen Aufgabe, die sich erst am Ende der Zeiten verwirklichen wird und die bis dahin nur das letzte Ziel der Menschheitsentwicklung und der Menschheitsgeschichte bedeutet. Daß Gott ist — das bedeutet den Propheten, daß das Geschehen in der Menschheit nicht richtungs- und steuerlos ist, sondern einem höchsten Zweck, der Realisierung der Idee der Menschheit zustrebt. Wie Piaton die Idee des Guten als jenseit des Seins und doch als den eigentlichen Sinn und Grund des Seins erschaute, so hebt den Propheten der Glaube an diese Idee über alle Enge, Bedingtheit und Relativität der empirisch-geschichtlichen Wirklichkeit hinaus. In allem Zwiespalt, allem Widerstreit, aller Not der Menschengeschichte hält er die messianische Zukunftshoffnung fest. „Nicht die Gegenwart" — so beschreibt Cohens „Ethik des reinen Willens" dies prophetische Ideal — „auch nicht die ruhmreiche, mit heiligen Sagen verwobene nationale Vergangenheit soll die Richtschnur bilden; es soll ihrer nicht ferner gedacht werden, die Zukunft allein soll den Leitstern der Politik und somit der Religion bilden. Nicht das Ende der Welt und der Menschheit soll der Friede bedeuten, den die Tage des Messias bringen; sondern vielmehr der Anfang einer neuen Zeit, einer neuen Welt, einer neuen Menschheit auf Erden. Hier auf Erden soll Friede werden unter den Menschen, unter den Völkern. Die Schwerter sollen umgeschmiedet werden in Winzermesser. Dieser unversöhnliche Gegensatz zu dem, was die Historie Weltpolitik nennt, liegt im prophetischen Messianismus. Und darum liegt in ihm eine sittliche Urkraft: — das lehrreichste Beispiel für den unlöslichen historischen Zusammenhang zwischen Ethik und Religion." Von einer neuen Seite her erschließt sich hier der Sinn der religiösen Transzendenz. Die naturalistische Gottesauffassung, die Anschauung, die Gott polytheistisch einem Teile der Natur oder die ihn pantheistisch dem Ganzen der Natur gleichsetzt, wird in der prophetischen Religion und Ethik überwunden. Aber wenn Gott dadurch jenseits der Natur steht, so steht er damit doch nicht jenseits der geschichtlichen Menschenwelt: vielmehr drückt sein Begriff eben die Richtung aus, in welche diese sich in ihrer immanenten Entwicklung bewegt und das freilich unendlich ferne Ziel, dem sie sich nähern soll. Und damit sind wir wieder zu dem Punkte zurückgekehrt, von dem unsere Betrachtung begann. Wir begreifen jetzt den inneren Zusammenhang, der zwischen Cohens Auffassung der Religion und seiner Auffassung Kants und Piatos, seiner Auffassung des Systems der Philosophie bestand. Der Gedanke des Monotheismus, wie er ihn bei den Propheten ausgeprägt fand, wurde ihm zum historischen Zeugen für die Kraft, die Reinheit, die Selbständigkeit des Geistes; aus eben dieser Kraft und Reinheit aber erwuchs ihm auch die Idee der Erkenntnis, die Idee der Philosophie als Wissenschaft. Ich habe versucht, wenigstens anzudeuten, wie aus diesen Zentralgedanken für Cohen die einzelnen Teile seiner Philosophie, insbesondere seine Logik und seine Ethik entstanden sind. Aber freilich: der letzte Kern dieser Einheit lag doch in ihm selbst und seiner Persönlichkeit. Und diese Einheit faßt kein Name und keine philosophische Terminologie. Wir werden, sobald wir sie

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